«Zombies sind eine Parodie»

Der Filmwissenschaftler Florian Krautkrämer ist Zombie-Experte. Zum Kinostart von «The Dead Don't Die» haben wir ihm einige Fragen zu den Untoten gestellt.

Sie steigen in der Nacht aus ihrem Grab: Die Untoten im neuen Zombie-Film.

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Seit George A. Romeros «Night of the Living Dead» haben Zombiefilme eine deutlich politische Seite. Sind die lebenden Toten Kinder von 1968?
Romero selbst hat seine Zombies als Blue-Collar-Monster bezeichnet, als Kontrast zum aristokratischen Vampir, einem anderen Untoten. Aber schon seit Beginn steht die popkulturelle Figur des Zombie im Zusammenhang von Kolonialisierung, Sklaverei und Ausbeutung. In den Geschichten und Filmen der Zwanziger und Dreissiger sind Voodoo-Zombies Arbeitssklaven, und Zombiefizierung ist auch nur etwas, das in ehemaligen, weit entfernten Kolonien stattfindet. Auch in neueren Film wie «Shaun of the Dead» oder «Fido» geht es darum, dass man die Zombies irgendwie noch nutzen möchte. In den meisten Filmen kommt mit den Zombies das Abstossende, Unartikulierte und Verdrängte zurück.

Zombiekomödien wie «Shaun of the Dead» sind seit den Achtzigern sehr beliebt. Weshalb passen bei den Zombies das Grauenhafte und das Komische so gut zusammen?
Die Zombies sind ja per se schon eine Parodie. Die langsamen Zombies sind Menschen ohne das, was Menschlichkeit ausmacht, wie Sprache, Empathie, Gefühle. Bedrohlich sind sie nur in der Masse, aber im Einzelnen sind sie erbärmlich und tumb – da ist es nur ein kleiner Schritt zur Parodie und zur Komödie.

Das ist Zombie-Comedy: «The Dead Don’t Die» von Jim Jarmusch. Video: YouTube/Universal Pictures Switzerland

«28 Days Later» hat das Genre 2002 revitalisiert. Was fasziniert die Menschen des 21. Jahrhunderts an den Zombies?
Die Zombies sind sehr vielseitige Monster, in den verschiedenen Zombie-Wellen der Filmgeschichte repräsentierten sie ganz unterschiedliche Ängste. Bei «28 Days Later» und neueren Filmen wurde auch eine diffuse Angst vor Globalisierung und in Verbindung damit vor sich schnell verbreitenden Krankheiten verhandelt. Und so, wie Zombie-Massen in «World War Z» und der Serie «The Walking Dead» dargestellt werden, geht es auch um die Angst vor Überfremdung und Migration. Dass seit der Finanzkrise das Wort Zombie immer wieder auch auf den Wirtschaftsseiten der Zeitungen auftaucht (Zombie-Banken, Zombie-Kredite), ist sicher auch kein Zufall.

Welches ist Ihr liebster Zombiefilm?
Nach wie vor der erste abendfüllende Zombiefilm «White Zombie» von 1932. Aus heutiger Sicht ist das ein deutlicher Kommentar gegen Kolonialisierung. Die Zombies arbeiten in der Zuckerfabrik, sehen aber aus wie arme, ausgebeutete haitianische Einwohner. Und wenn Bela Lugosi als Hexenmeister Folgendes über sie sagt, läuft es einem auch heute noch kalt den Rücken herunter: «They work faithfully and they’re not worried about long hours.»

Erstellt: 12.06.2019, 14:33 Uhr

Florian Krautkrämer

Kennt sich mit Untoten aus: Der Filmwissenschaftler und Zombie-Experte.

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