Zum Hauptinhalt springen

Zu wild für diese Welt

Im Film «Systemsprenger» bringt eine Neunjährige das Erziehungssystem an seine Grenzen.

Kein einfaches Kind: Benni (Helena Zengel) kann jederzeit ausrasten.
Kein einfaches Kind: Benni (Helena Zengel) kann jederzeit ausrasten.

Es knallt. Die Kamera produziert wilde Wirbel aus Farbe und Licht, dann zerbirst eine Scheibe. Sicherheitsglas war das, doch die rabiate Benni (Helena Zengel) lässt sich nicht bremsen: sie will raus.

Immer wieder hämmert das neunjährige Mädchen seine längst blutige Stirn brüllend gegen das Glas; es braucht mehrere Erwachsene und eine Spritze, um Benni zu beruhigen. Mit dieser Szene beginnt Nora Fingscheidts Spielfilmdebüt «Systemsprenger». An der Berlinale erhielt sie dafür den Silbernen Bären für die beste Regie, ihr Film wurde von Deutschland für die Oscars vorgeschlagen.

Benni zerbricht nicht nur Sicherheitsglas, sondern bringt das gesamte Erziehungssystem an seine Grenzen. Seit Jahren wird sie von einem Heim zum anderen, einer Pflegefamilie zur nächsten weitergereicht. Eine Zeit lang geht es jeweils gut, weil sie lustig und klug ist und voller Einfälle – bis sie aus heiterem Himmel ausrastet und nur noch mit Gewalt zu beruhigen ist.

Es gibt solche Kinder, die niemand will. Mit denen es auch die erfahrensten Profis nicht aushalten. Das war der Ausgangspunkt für «Systemsprenger», doch die Geschichte, die Fingscheidt erzählt, ist viel mehr als ein Bericht aus dem Alltag von Kinderheimen. Wir sehen Benni zwar von aussen, wie sie ihr Umfeld mit ihrem Witz begeistert und mit ihren Aggressionen in den Wahnsinn treibt.

Wir bekommen aber auch ein Gefühl dafür, wie es in ihr aussehen muss, wenn sie sich plötzlich ungeliebt und bedroht fühlt. Vor allem aber berührt uns die anarchische Energie des Kindes, das sich um keinen Preis domestizieren lässt. Wenn Benni leben könnte wie Ronja Räubertochter, im Wald, wäre das vielleicht die langfristige Lösung, nach der alle verzweifelt suchen. Doch dafür ist die Welt nicht gemacht.

Arthouse Movie / Kosmos

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch