Der Gerhard Richter unter den Bildhauern

Thomas Schütte kommt nach Zürich – aber nicht mit Skulpturen, sondern mit Werken auf Papier.

Zufrieden scheint der Künstler nie mit seinen Selbstporträt: «Not Me» von Thomas Schütte aus dem Jahr 2005.

Zufrieden scheint der Künstler nie mit seinen Selbstporträt: «Not Me» von Thomas Schütte aus dem Jahr 2005. Bild: Thomas Schütte/Graphische Sammlung ETH Zürich, ProLitteris Zürich 2018

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Er ist der Mann, der vor ein paar Jahren einen Hasen im Garten der Fondation Beyeler aussetzte: Thomas Schütte. Natürlich keinen echten Hasen, sondern einen riesengrossen aus Bronze. Seit Herbst 2013 steht das Vieh dort im Gartenteich und spuckt Gartenteichwasser. Und wird viel fotografiert, weil es erstens mindestens so menschlich wie tierisch aussieht und zweitens irgendwie traurig und lustig zugleich.

Typisch Schütte!

Wenn der Mann sich ins Atelier begibt, kommt meist etwas Uneindeutiges dabei heraus. Das das Auge fesselt. Weil man sich die ganze Zeit fragt, ist das nun schön oder hässlich? Und immer wenn man meint, jetzt habe man die Antwort, muss man sie doch wieder revidieren.

Eindeutug sind seine Bilder selten: Ohne Titel, Tafel aus dem Buch: Sweet Nothings, Köln: Walther König. Bild: Thomas Schütte/Graphische Sammlung ETH Zürich, ProLitteris Zürich 2018

Mit dieser Strategie hat Schütte es weit gebracht. Als Bildhauer ist er etwa das, was Gerhard Richter für die Malerei ist (und bei Letzterem hat er übrigens auch studiert, in den 1970ern, an der Kunstakademie Düsseldorf), sprich: so ziemlich der Bedeutsamste auf seinem Gebiet, in Deutschland und weit über die Landesgrenzen hinaus. Bereits 2005 gabs an der Venedig-Biennale den Goldenen Löwen als bester Künstler.

Schütte-mässig rätselhaft

Am 16. November wird Schütte 64. Und während er zu Hause in Düsseldorf feiert, freuen wir uns hier über seine Ausstellung – die freilich nicht seine Skulpturen zeigt, sondern seine Werke auf Papier. Solche macht er nämlich auch, obwohl das weniger bekannt ist. Und auch sie sind Schütte-mässig rätselhaft.

Thomas Schütte, Smoke, Tafel aus dem Buch: Volume II. The Big Nix, Düsseldorf, 2005. Bild: Thomas Schütte/Graphische Sammlung ETH Zürich, ProLitteris Zürich 2018

Fast 100 Arbeiten gibts zu sehen, manche aus Privatsammlungen – und etwas besonders Schönes daran ist, dass Schütte sie gern schriftlich ergänzt: mal mit wenigen Worten (wie im Selbstporträt oben, wo er mit «NOT ME» kundtut, dass er sich selbst darauf nicht wiedererkennt), mal mit einer Kurzgeschichte. Die saisonal passendste dürfte jene über das Basteln von Weihnachtsengeln sein. Herzerwärmend ist das, weil irgendwie universal menschlich.

Graphische Sammlung ETH
ETH Hauptgebäude, Rämistr. 101
Vernissage: Di 18 Uhr
Bis 27.1.2019
Eintritt frei
www.gs.ethz.ch

Erstellt: 07.11.2018, 16:50 Uhr

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