Die Höhen und Tiefen des Schuhpioniers

400 Schuhpaare sind in der ersten umfassenden Bally-Archivschau zu sehen. Die Geschichte des Traditionshauses in sechs Schuhen.

Das goldene Geschäft mit dem Schuh.

Das goldene Geschäft mit dem Schuh. Bild: Bally Schuhfabriken AG

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Damenschuh (1891)

Carl Franz Bally war es, der 1851 im solothurnischen Schönenwerd die Schuhfirma Bally gründete. Das Unternehmen wuchs rasch, bereits 1857 exportierte es ins Ausland. Um die Jahrhundertwende gab es neben Paris und London auch Läden in Buenos Aires und Montevideo – und mit einer jährlichen Produktion von 4 Millionen Paar Schuhen und mit 7000 Angestellten war Bally 1916 eine der ersten multinationalen Firmen überhaupt.

Bild: Bally Schuhfabriken AG

Abendschuh (1939)

Ab den 20er-Jahren legte Bally seinen Fokus vermehrt auf modische Modelle. Ausgefallene Schuhe mit Perlen oder in Seide wurden in den eigenen Designstudios in Zürich, London, Paris und New York entworfen. Ein goldenes Modell entstand eigens für die Landesausstellung 1939, die ersten Exemplare sollen mit echtem Gold gefertigt worden sein.

Bild: Bally Schuhfabriken AG

Sandale (1941)

Während in den ersten Firmenjahren jeder Bally-Schuh aus Leder bestand, begannen die Designer in den 20er-Jahren mit Gummi und Klebstoff zu arbeiten. In den Zwischenkriegsjahren experimentierte Bally erstmals mit Materialien wie Kork und Holz. Fortschrittlich war man auch bezüglich Grafik; früh arbeitete die Firma mit bekannten Gestaltern zusammen.

Bild: Bally Schuhfabriken AG

Skischuh (1946)

Zwei Schweizer Skirennfahrer holten 1948 in St. Moritz olympisches Gold – in Schuhen von Bally. Neben Skischuhen produzierte die Firma auch Tennis-, Golf- und Wanderschuhe. Letztere erlangten 1953 historische Berühmtheit, als Edmund Hillary und Tenzing Norgay Bally-beschuht als Erste den Mount Everest bestiegen. Ende der 60er wurde die Produktion von Ski- und Bergschuhen eingestellt, der Fokus verlagerte sich noch stärker von Funktionalität hin zu einem modischen Schuh.

Bild: Bally Schuhfabriken AG

Sneaker (2002)

Inspiriert von den Farben der Schweizer Fahne und vorbeirasenden SBB-Zügen, wurden 1939 die «Trainspotting»-Streifen entworfen. Sie wurden zum Merkmal von Bally-Schuhen, vor allem bei Sneakers tauchen die Streifen in allen möglichen Variationen auf. So auch beim Modell «Free», ein Bestseller um die Jahrtausendwende. Bundesrätin Micheline Calmy-Rey trug ihn, als sie 2003 die Grenze zwischen Nord- und Südkorea überschritt.

Bild: Bally Schuhfabriken AG

Stiefel (2019)

Vier Generationen lang war das Geschäft fest in Familienhand, 1976 wurde es verkauft. Danach gehörte es unter anderem einem Rüstungskonzern, einer US-amerikanischen und einer österreichischen Firma, seit 2018 ist es in chinesischen Händen. Auch die vielen Designerwechsel sowie die zeitweise roten Zahlen und 2013 der Auszug aus dem Bally-Haus an der Zürcher Bahnhofstrasse sorgten für Negativschlagzeilen. Heute hat Bally rund 1500 Mitarbeitende und 154 Läden weltweit – in denen aktuell etwa dieser Stiefel zu finden ist.

Bild: Bally Schuhfabriken AG

Toni-Areal
Pfingstweidstr. 96
Vernissage: Mi, 13. März, 19–22 Uhr
Ausstellung: 14. März bis 11. August 2019
Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr
Eintritt: 8 / 12 Franken
www.museum-gestaltung.ch

(Züritipp)

Erstellt: 07.03.2019, 10:39 Uhr

168 Jahre Schuhgeschichte

Neben 200 Archivmodellen am Ausstellungseingang sind weiterere 200 Paare in der Schau selbst zu sehen, aktuelle Modelle können sogar probegetragen werden. Zudem sind weitere 400 Objekte wie Plakate oder Stoffmuster ausgestellt, viele davon zum ersten Mal im grossen Rahmen.

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