Die Utopie lebt in der Agglo

Die Kunsthalle Schlieren holt Kunst an den Stadtrand. In der aktuellen Ausstellung werden Geschlechterrollen untersucht.

Das Trio vor der Kunsthalle: Peter Lynen, Ingrid Scherr und Peter Senn (v. l.).

Das Trio vor der Kunsthalle: Peter Lynen, Ingrid Scherr und Peter Senn (v. l.). Bild: Andrea Zahler

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Die Kunsthalle Schlieren ist ein Ort, den es so eigentlich gar nicht geben sollte: «Highclass-Kunst in der Agglomeration, in einem äusserlich heruntergekommenen ­Gebäude, das wirkt irgendwie utopisch», sagt Mitinitiator Peter Lynen. Seit 2017 betreibt er gemeinsam mit Ingrid Scherr und Martin Senn den Kunstraum am Rande der Stadt. Die Kunsthalle gehört der Arbeitergemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB), die es seit den ­frühen 1980er-Jahren gibt.

Kunst vor den Toren der Stadt

Damals wurde die AZB gegründet, um die Arbeitsbedingungen der lokalen Berufsplastiker zu verbessern. Heute sind zahlreiche in Zürich ansässige Kunstschaffende unter den Vereinsmitgliedern, darunter das Trio Mickry 3, Isabelle Krieg und auch die Kunsthalle-Schlieren-Betreiber Lynen, Scherr und Senn. Weil die drei alle selber Künstler sind, wollen sie nicht als Kuratoren bezeichnet werden.

Sondern «als Dramaturgen, die Kunstwerke so inszenieren und miteinander in Verbindung setzen, dass ein optischer und inhaltlicher Mehrwert entsteht», erklärt Peter Lynen am Telefon. Er ist mitten im Aufbau der neuen Schau (siehe Box); am Tag zuvor war er noch in Berlin, um die Kunstwerke «einzusammeln», wie er es formuliert.

Der Anspruch der Kunsthalle ist es, etablierte Künstler aus Zürich und dem nahen Ausland nach Schlieren zu bringen. Lynen und Scherr sind beide Deutsche, Senn hat lange im Ausland gearbeitet. Es sei vor allem ihre gute Vernetzung in Europa, die ein solches Programm möglich mache. So stellte das Trio schon Werke von internationalen Kunstgrössen wie Joseph Beuys, Wolfgang Tillmans oder John Baldessari aus.

Präsentation auf engem Raum

Als Galerie versteht sich die Kunsthalle Schlieren allerdings nicht. Sicher, wenn sich jemand für ein Werk interessiere, stehe man einem Verkauf nicht im Weg, sagt Lynen. «Aber wir haben eher einen musealen Anspruch.» Ohnehin sollte man sich von der Bezeichnung Kunsthalle nicht täuschen lassen: Der Kunstraum ist gerade einmal 40 m2 gross.

Er steht auf dem Areal eines ehemaligen Gaswerks, das heute mit seinen Holzverschlägen, Containern und Skulpturen wie eine Art Kunst-Schrebergarten daherkommt. Unbedeutend scheint sich das Trio aber deswegen nicht zu fühlen. «Wir arbeiten aktiv mit der Stadtzürcher Kunstszene zusammen», ­erzählt Lynen.

Dass die Kunsthalle Schlieren nicht im Stadtzentrum liegt, macht die Anfahrt zwar etwas umständlich. Dafür ist die Konkurrenz, wenn man einmal da ist, nicht mehr gross. Wer in Schlieren Kunst sehen will, landet mit grosser Wahrscheinlichkeit an der Gaswerkstrasse. Und das war auch eine Motivation, als Lynen, Scherr und Senn den Raum übernommen haben: «Ein Kulturangebot gab es in Schlieren zuvor eigentlich nicht, das wollten wir ändern.»

Kunsthalle Schlieren
Gaswerkstr. 15
Vernissage: Sa 15 Uhr Bis 26.10.
Geöffnet Sa / So 14 – 18 Uhr
sowie auf Vereinbarung (Kontakt siehe Website)
www.kunsthalle-Schlieren.ch

Erstellt: 12.09.2019, 11:17 Uhr

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Gehts um Macht und Geschlechterrollen, kommt man um eine Frau kaum herum: Simone de Beauvoir. Diese schrieb 1949, dass man nicht als Frau zur Welt komme, sondern dazu gemacht werde. Die Ausstellungsmacher Peter Lynen und Ingrid Scherr zitieren indes die Österreicherin Stefanie Sargnagel: «Man kann alles erreichen, was man will, wenn man nur stark genug an sich selbst zweifelt.» In ihrer siebten Ausstellung namens «Sexus und Herrschaft» untersucht die Kunsthalle Schlieren Rollenzuschreibungen und Machtverteilung. Gezeigt werden Werke von 15 Kunstschaffenden, darunter ein Video des Ex-Topmodels Sandra Wildbolz, eine Audioarbeit von Laurie Ander­son, Collagen von Jonathan Meese sowie eine Skulptur von Mickry 3.

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