Er mochte es sperrig

Der ebenso umtriebige wie umstrittene Zürcher Bildhauer Jürg Altherr erhält eine erste posthume Schau.

Fotos, Skizzen und Modelle: Auch Originale gibts zu sehen.

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Das Problem war, dass seine Kunst nicht unbedingt wie Kunst aussah. Zumindest nicht wie solche, die man als dekorativ oder gar lieblich beschreiben würde. Jürg Altherr gefiel sie aber so. Kunst müsse sperrig sein, sagte er immer wieder. Und dass die Leute sich das Maul zerrissen über seine Skulpturen – nun denn.

Im Sommer 2018 ist der Mitgründer der Arbeitsgemeinschaft Zürcher Bildhauer (AZB) gestorben, mit 73 Jahren. Aber selbst nach seinem Tod sorgte er noch für rote Köpfe: Sein «Turm» – ein mehrere Meter hohes, tonnenschweres Ding, das aussieht wie ein von Bibern angenagter Baumstamm, den eine riesige Aufhängevorrichtung am Umfallen hindert – erhielt nämlich unlängst in Uster Asyl. Notabene, nachdem er zuvor aus der Oberländer Gemeinde Wald regelrecht verbannt worden war.

Wen es wundernimmt, was den Architektensohn und studierten Landschaftsgestalter zu seinen kecken Würfen antrieb, hat jetzt die Chance, sich in seinem Atelier in Schlieren umzusehen, bevor es geräumt wird. Aufgeräumt wurde es schon: Ein Jahr lang haben Altherrs Tochter Johanna und der Kunsthistoriker Stefan Wagner sortiert, inventarisiert, entrümpelt – und letztlich eine Retrospektive auf die Beine gestellt, die so nah am Künstler dran ist, wie das kaum je wieder möglich sein wird.

Atelier Jürg Altherr
AZB
Turmstrasse 5
Vernissage: Sa 14–20 Uhr, Konzert in der Ausstellung
(Ensemble für Neue Musik Zürich): So 16 Uhr
Bis 13.10. Fr / Sa 14–20 Uhr, So 12–19 Uhr Eintritt frei
www.juerg-altherr.ch

Erstellt: 26.09.2019, 11:38 Uhr

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