So, wie es früher war

Das Landesmuseum zeigt seinen frisch renovierten Westflügel. Heisst: im Zustand von vor 121 Jahren.

Back to the Roots: Im wahrsten Sinne des englischen Wortes.

Back to the Roots: Im wahrsten Sinne des englischen Wortes. Bild: Roland Krauss, Landesmuseum

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Wenn am Wochenende der renovierte Westflügel des Landesmuseums wiedereröffnet wird, ist das auch eine Hommage an den Erbauer der Gemäuer: Architekt Gustav Gull, mit dessen Werk in der jüngeren Vergangenheit ziemlich unzimperlich umgegangen wurde. Deckenmalereien in einem nachgebildeten Kapellenbogen: übermalt. Kunstvolle Stukkaturen: mit Tüchern verhängt. Maueröffnungen: zugemauert.

Nun hat man den Westflügel in die Zeit des Historismus zurückgeführt. 2000 m2 und 35 teils historische Räume saniert, Deckenmalereien wieder freigelegt und die Qualität der Architektur Gulls wieder sichtbar gemacht. Es geht da sowohl in der Horizontalen als auch in der Vertikalen um die Bezüge, die er schafft. Dabei wird auch ein Vorwurf entkräftet: alles nur Fake.

Natürlich gibt das Landesmuseum vor, etwas zu sein, das es nie war: ein Schloss. Wie es Gull aber gelingt, die historischen Bauteile – Fenster und Mauerbögen, Ornamente und Holzdecken aus der ganzen Schweiz – zu verbauen und zu einer Einheit werden zu lassen, im Baukastensystem ein funktionierendes Museum zu errichten, aus einer Reihe historischer Zimmer ein ganzes Haus, ist beeindruckend, weil stimmig.

In diesen Räumen stellen die Kuratorinnen und Kuratoren neu zeitlich passende Objekte aus und schaffen den Bezug zwischen Sammlung und Ort. In einem mit Schnitzereien reich verzierten Raum etwa werden Schatullen gezeigt, die ebenfalls hochwertige Schnitzereien zieren. Das ist etwas, was dem ganzen Westflügel eigen ist: Er zeigt die Handwerkskunst über die Jahrhunderte. Sei es an Wandmalereien, Pistolen und Degen oder an Glasmalereien.

Landesmuseum
Museumstr. 2
Ab Freitag 11.10. Di–So 10–17 Uhr, Do 10–19 Uhr
Nächste öffentliche Führung im Westflügel: 31.10., 18 Uhr
Eintritt 10 / 8 Franken (bis 16 Jahre gratis)
www.landesmuseum.ch

Erstellt: 09.10.2019, 17:37 Uhr

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