«Als Galerist steckt man heute im Hamsterrad»

Warum als Galerie einen Raum allein bespielen, wenn man sich mit anderen zusammentun kann? Barbara Seiler wagt das Experiment im Löwenbräu.

Umbau geht auch stylisch: Galeristin Barbara Seiler.

Umbau geht auch stylisch: Galeristin Barbara Seiler. Bild: Reto Oeschger

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Car Sharing, Flat Sharing, Fashion Sharing. Nun kommt also Gallery Sharing. Wie funktioniert das?
Fünf Galerien, drei Ausstellungsräume, ein Projektraum, ein gemeinsamer Empfang und Praktikanten. Dabei bleibt jede Galerie eigenständig, ­sowohl rechtlich als auch, was das Programm angeht. Die Räume werden im Turnus bespielt.

Die Idee dahinter?
Als Galerist steckt man heute im Hamsterrad: Ausstellungen kuratieren, an Messen teilnehmen, Sammler und Künstler besuchen. Dazu fehlen ­gerade kleinen Galerien zunehmend die Ressourcen, finanziell wie personell. Wenn man mit anderen eine Plattform teilt, die man abwechslungsweise nutzt, spart man Geld und gewinnt ausstellungsfreie Zeit, die man anderweitig nutzen kann.

«Ausstellungen werden nur in den ersten zwei, drei Wochen gut ­besucht. Danach hängt oder steht die Kunst noch wochenlang rum.»Barbara Seiler

Aber für die Künstler der beteiligten Galerien ist das ein Nachteil: Ihre Werke werden seltener gezeigt.
Eben nicht! Die Erfahrung zeigt, dass Ausstellungen nur in den ersten zwei, drei Wochen gut ­besucht sind. Danach hängt oder steht die Kunst noch wochenlang rum, aber de facto sieht sie keiner. Deshalb wollen wir zwar gleich viele Shows machen wie bisher – aber kürzere. Und die gewonnene Zeit nutzen, um Sammler und Kuratoren zu treffen. Die Aufgabe einer Galerie ist ja primär die, ihre Künstler zu vernetzen. Und das klappt so viel effizienter.

Sollten Galerien nicht auch über Kunst informieren?
Das tun heute alle selbst, via Smartphone. Und sie informieren sich nicht nur – sie partizipieren.

«Instagram und digitale Galerien sind toll, aber Kunstinteressierte brauchen einen Ort, wo sie mit Gleichgesinnten zusammenkommen.»Barbara Seiler

Wieso dann nicht voll auf online setzen?
Instagram und digitale Galerien sind toll, aber Kunstinteressierte brauchen einen Ort, wo sie mit Gleichgesinnten zusammenkommen und sich austauschen können. Wo es Talks, Filmscreenings und andere Events gibt. Warum gehen plötzlich überall Plattenläden auf? Weil Streaming allein eben nicht satt macht. Sogar Amazon setzt seit einiger Zeit auf physische Präsenz und kauft Bücherläden.

Ihr Projekt bietet Raum für fünf Galerien, derzeit sind, neben Ihrer, Annex 14 und die Berliner Galerie Hubertushöhe an Bord. Es hat also noch Platz.
Anfragen hatten wir viele. Aber wir sind anspruchsvoll: Die Partner müssen wirklich zu uns passen. Toll wäre jemand aus dem Ausland. Mal sehen.

High Ceiling Art Corporation
Löwenbräukunst, Limmatstr. 270
Vernissage: Fr 18 Uhr Bis 9.2.2019
Die erste Schau wurde kuratiert von Herrmann Germann Conspirators und zeigt Werke aus dem Programm der Galerien Barbara Seiler, Annex 14 und Hubertushöhe, aber auch von anderen Künstlern.
www.highceiling.ch

(Züritipp)

Erstellt: 24.11.2018, 07:24 Uhr

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