Auf Krawall gebürstet

Vor vierzig Jahren brannte Zürich. Die Fotografin Olivia Heussler war Teil der unruhigen Achtziger und hat sie in ihren Bildern festgehalten.

Sommer 1980: Die Polizei und Demonstranten vor dem Rathaus.

Sommer 1980: Die Polizei und Demonstranten vor dem Rathaus. Bild: 1980, Olivia Heussler

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Das Jahrzehnt begann turbulent für Zürich: Im Frühsommer 1980 gab es auf dem Sechseläutenplatz wüste Zusammenstösse zwischen Demonstrierenden und der Polizei. Nach dem Globuskrawall zwölf Jahre zuvor kam es nun zum Opernhauskrawall. «Züri brännt» war nicht nur der Titel eines Liedes der Punkband TNT, sondern das Motto der Jugendbewegung.

Denn was 1980 mit der Forderung nach einem autonomen Jugendzentrum begann, endete keineswegs mit deren Erfüllung. Den Freiraum, den die jungen Erwachsenen damals forderten, bezog sich längst nicht nur auf das Wohnen, sondern auf alle Räume der Stadt und so auch auf kulturelle Orte: Man wollte Platz – und zwar jenseits der verkrusteten öffentlichen oder biederen Strukturen der Nachkriegszeit.

Genau diesen Kampf um Freiräume in der Stadt Zürich zeigen die Fotografien von Olivia Heussler. Ihr Bild aus dem Sommer 1980, das zeigt, wie Polizisten mit weissen Helmen und Strohschilden auf junge Demonstranten treffen, ist mittlerweile zum Symbolbild der Jugendbewegung geworden. An den Protesten vor dem Opernhaus war Heussler nicht dabei, bei zahlreichen späteren Aktionen und Performances hingegen schon.

Unterwegs war die heute 62-Jährige stets mit ihrer Kamera. Dabei hatte sie nicht den beobachtenden Blick von aussen, sondern war im Innern der Bewegung: Sie lebte in einer Gross-WG, organisierte mit Freunden zahlreiche Aktionen und war Teil der für die Jugendbewegung wichtigen Magazine «Stilett», «Eisbrecher» und «Bräch­ise». Ihre Bilder verkaufte sie damals auch als freie Fotografin, unter anderem an Keystone.

Nun sind Heusslers Bilder aus den unruhigen Achtzigerjahren in der Photobastei zu sehen. Heussler will aber in der Ausstellung «Zurich, the Eighties!» auch zeigen, dass ihre Bilder damals eben nicht als Kunst, sondern als Mittel zum Zweck galten. Deutlich wird dies an den zahlreichen Flugblättern und Plakaten, auf denen Heusslers Fotos sind. Viele der Drucksachen waren für die Rote Fabrik, die dieses Jahr ihr 40-jähriges Bestehen als Kulturstätte feiert.

Heute sind Heusslers Fotografien historische Dokumente, die von einem wilden Zürich erzählen, das sich viele nach 1980 Geborene so nicht mehr vorstellen können. Damit diese Zeit nicht vergessen geht, hat die Stadt vor einigen Jahren Fotografien von Heussler gekauft.

Photobastei
Sihlquai 125
Vernissage Do 19 Uhr
Führungen mit O. Heussler jeweils Mi 14–16 Uhr sowie So 12–14 Uhr
Eintritt 8 / 12 Franken
www.photobastei.ch

Erstellt: 12.02.2020, 18:33 Uhr

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