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Aussenseiter im Fokus

Kunst, die am Rand der Gesellschaft entstand: Eine Schau gibt Einblick in die fantastischen Bildwelten dreier Zürcher Stadtoriginale.

Auch Bilder von Emil Medardus Hagner werden gezeigt.
Auch Bilder von Emil Medardus Hagner werden gezeigt.

Gebhard Hafner

Zürcher Innenstadt, im Jahr 2000: Kaum ein Passant schenkt dem Mann mit der orangen Weste und dem Besen in der Hand mehr als einen flüchtigen Blick. Auf die Idee, dass der «Strassenwischer vom Bellevue» nach Feierabend den Besen gegen einen Stift tauscht und Gedichte schreibt, kommt erst recht keiner. Nach der Pensionierung hat sich Gebhard Hafner (1931-2003) ganz einer weiteren Leidenschaft gewidmet: dem Malen. So akkurat, wie er davor jahrelang Zürichs Strassen fegte, zieht er ab 2000 mit Lineal, Farb- und Filzstiften seine Linien auf Papier.

Dass seine an die Konkrete Kunst angelehnten Bilder faszinieren, zeigt zwei Jahre später eine erste Ausstellung in der auf Outsiderkunst spezialisierten Galerie Susi Brunner im Niederdorf. Die geometrischen Farbkompositionen, allesamt fröhlich bunt, tragen Titel wie «Zirkuszelt aus der Vogelperspektive» oder «Venuss Williams». Die US-amerikanische Tennisspielerin ist jedoch in dem mit grellen Filzstiften ausgemalten Muster beim besten Willen nicht auszumachen, aber vielleicht gehts ja auch um Nüsse und Birnen, schliesslich ist ein S zu viel im Spiel. Neben Hafners gross- und kleinformatigen Papierwerken werden nun auch seine Gedichte und ein Filmporträt aus dem Jahr 2002 gezeigt.

Hans Krüsi

Kunst auf Backpapier, Karton oder gar auf mit Kaffeeflecken übersäten Servietten? Doch, das geht. Wie gut, zeigt das äusserst vielseitige Werk von Hans Krüsi (1920-1995). Bis zu seinem 16. Lebensjahr in einem Waisenhaus in Speicher AR aufgewachsen, trug er die ländlichen Bilder auch dann noch in sich, als er während 30 Jahren fast täglich von St. Gallen nach Zürich pendelte und als «Blumenverkäufer von der Bahnhofstrasse» zum Stadtoriginal wurde. Mit 55 Jahren bot er neben Blumen auch erste Werke im Postkartenformat an. Noch waren darauf hauptsächlich Kühe zu sehen. Doch das Repertoire des Mannes mit dem blumengeschmückten Hut erweiterte sich schnell.

Katzen, Hunde, Menschen und florale Motive kamen hinzu. Seine Experimentierfreude zeigt sich nicht nur in den unkonventionellen Bildträgern, sondern auch in seinen zahlreichen Techniken (Sprayen, Collage, Fotokopie, Abklatschtechnik usw.). Dass er sich seiner erstaunlichen Karriere vom «Bluememannli» zu einem der wichtigen Vertreter der Art brut durchaus bewusst war, zeigt das Werk, das seine Unterschrift zum einzigen Bildinhalt macht, wenn auch mit einem Augenzwinkern. Gross und deutlich ist da zu lesen: Hans «Pygasso» Krüsi.

Emil Medardus Hagner

Schon als Kind war ihm das Zeichnen ein Zufluchtsort. Zwar träumte er, der sich gerne Märchenmaler von Zürich nannte, zeitlebens von fernen Ländern und Abenteuern. Doch um tatsächlich zu reisen, war er zu ängstlich. Emil Medardus Hagner (1921-1999) erkundete die Welt lieber in Büchern – und mit dem Zeichenstift. Bevölkert von Fabelwesen und Fantasie­figuren, laden seine Bilder in eine heile Märchenwelt ein, die sich von hier bis Indien erstreckt.

Wer in Zürich aufgewachsen ist, wird in Hagners Triptychon «Mythologia Turicencis» den Bäcker Wackerbold, den Zürcher Löwen, die Gründung des Fraumünsters sowie die Vertreibung der Habsburger durch die Zürcherinnen erkennen. Hübsch auch das Kinderbuch «Phantastische Abenteuer Hucks»: Es spielt im fernen Alaska, das Hagner nur vom Hörensagen kannte.

Drei Geschichten aus Zürich

Musée Visionnaire, Predigerplatz 10

Vernissage: Dienstag, 18 Uhr

Bis 23.12.

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