Das sind die Kunst-Highlights der Woche

Ob im Museum Rietberg, in der Photobastei oder im Kunstmuseum Winterthur. Es gibt viel zu sehen.

Da guckst du! Aber auch ältere Semester dürften von der Ausstellung angetan sein.

Da guckst du! Aber auch ältere Semester dürften von der Ausstellung angetan sein. Bild: Museum Rietberg, Dan Cermak

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Frank fand sie gutGundula Schulze Eldowy

Im Sommer 1985 lernten sie sich kennen: der 60-jährige Starfotograf Robert Frank und die 31-jährige Gundula Schulze Eldowy. Das war in Ostberlin, wo sie damals lebte und Fotos der DDR-Realität machte, die der Stasi nicht geheuer waren. Ihm indes gefielen sie so gut, dass er ihr Mentor und langjähriger Brieffreund wurde. Nun zeigt eine Ausstellung ihre Fotos (und auch einige von Frank) sowie Auszüge aus Briefen und Tagebüchern. Ein poetisches Stück Zeit- und Kunstgeschichte. (psz)

Photobastei
Sihlquai 125
Vernissage: Do 16.5. 19 Uhr bis 7.7.
Mi–Sa 12 – 21 Uhr, So 12 – 18 Uhr
Eintritt 12 / 8 Franken
www.photobastei.ch

Viele, viele VisagenFaszination Gesicht

Gesichter? Sind wichtig. Wissen wir nicht erst seit «Face / Off», wo ­Nicolas Cage und John Travolta auf höchst verstörende Art Visagen tauschten. So ein Gesicht ist im Alltagsgebrauch schliesslich Visitenkarte, Stimmungsbarometer und Quelle sonstiger Informationen. Und wenn die Ausstellung «Faszination Gesicht» sich nun dieses Phänomens annimmt, dann ­tut sie das, wie es inzwischen Tradition im Vögele Kulturzentrum ist, aus drei Blickwinkeln: wissenschaftlich, gesellschaftlich und künstlerisch.

Manchmal fliessen diese Disziplinen auch zusammen, etwa beim Briten Tom Stayte. Der hat eine Software entwickelt, die Instagram und Twitter nonstop nach Posts mit dem Hashtag «Selfie» absucht – und die zugehörigen Fotos via Drucker direkt ins Museum ausspuckt. Wühlen ist explizit erlaubt, und Promis sind stark vertreten. Vielleicht auch Cage – oder Travolta? (psz)

Vögele Kulturzentrum
Pfäffikon SZ, Gwattstr. 14
Ab So 19.5. 14 Uhr, Führung 15 Uhr
Bis 22.9.
www.voegelekultur.ch

Schau dich anSpiegel

Es gibt diese wiederkehrende Szene in Gruselfilmen, bei der eine Person in einen Spiegel schaut. Erst sieht man nur ihre Reflexion, dann wandert die Kamera etwas weiter, und man stellt mit Entsetzen fest, dass da noch jemand steht. Oder etwas. Der blanke Horror.

Dies, so wollen wir hier mal schätzen, dürfte Grund Nr. 371 sein, warum Spiegel, kulturhistorisch betrachtet, interessant sind. Schon die alten Maya, Griechen und Ägypter waren fasziniert von der (damals noch nicht ganz so) blanken Oberfläche, dank der möglich wurde, was eigentlich unmöglich ist: sich selbst zu erblicken. Und zu erkennen. Wobei wir vom rein physischen Phänomen bereits ins Metaphysische weiterdriften – was beim Thema Reflexion ja immer ein Stück weit mitschwingt.

Die Ausstellung «Spiegel. Der Mensch im Widerschein» will es nun ganz genau wissen – und bringt üppige 220 Exponate zusammen, die aus Museen rund um den Globus eingeflogen wurden. Dabei geht es um Philosophisches, aber durchaus auch um Handfestes wie die Werkzeuge respektive die Technologie, die es braucht(e), um ein perfekt reflektierendes Objekt herzustellen.

Übrigens: Selfies sind in Museum generell ja nicht so wahnsinnig gern gesehen. Diesmal ist aber alles anders (oder sollte man sagen: spiegelverkehrt?). Als Spiegel der Smartphone-Ära erhalten sie sogar ein eigenes Kapitel in der Schau.

Museum Rietberg
Gablerstr. 15
Vernissage: Do 16.5. 18 Uhr; Kindervernissage 17.45 Uhr
Bis 22.9.
Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr
Eintritt 25 / 20 Franken, unter 16 Jahren gratis
www.rietberg.ch

Weltausstellung

Weltausstellungen waren für unsere Urururgrosseltern das, was für uns heute das Internet ist: ein unwirklicher, wunderbarer Ort mit Infos zu allem und jedem, wo man ohne Ende lustwandeln kann. Und schon damals galt es, das, was man da vorfand, kritisch zu hinterfragen. So gesehen, ist die historische Ausstellung zum Thema brandaktuell. (psz)

Johann Jacobs Museum
Seefeldquai 17
Vernissage: Do 16.5. 19 Uhr
Bis 3.11.
www.johannjacobs.com

Ein Strich mit FolgenFrozen Gesture

1965 tut sich wieder mal viel auf der Welt: Die USA und die Sowjetunion geben Vollgas mit ihren Weltraumprogrammen, Lyndon B. Johnson gesteht den Afroamerikanern das Wahlrecht zu, in Frankreich wird Charles de Gaulle als Präsident bestätigt, die Beatles veröffentlichen «Help!».

Und inmitten dieses ganzen Trubels malt der 42-jährige New Yorker Pop-Art-Pionier Roy Lichtenstein seinen ersten «Brushstroke». Passt irgendwie zum Moment, diese Geste: simpel und kraftvoll, unaufgeregt und ikonisch zugleich. Damit hat Lichty angerissen, was später ganze Generationen umtrieb (nämlich die Frage, wie man den dynamischen Akt des Farbauftrags auf einer unbewegten Leinwand festhält) – bis hin zu Gerhard Richter, der damit zum Superstar wurde.

Die Ausstellung «Frozen Gesture» zeigt 16 MalerInnen, die auf den Pinselstrich als ­Gestaltungselement setz(t)en. Darunter auch Richter und Lichtenstein – Ehrensache. (psz)

Lichtensteins «Brushstroke» gibts als Gemälde, aber auch als Skulptur. Estate of Roy Lichtenstein / 2019, ProLitteris, Zurich

Kunstmuseum Winterthur
Beim Stadthaus, Museumstr. 52
Vernissage: Fr 17.5., 18.30 Uhr
Bis 18.8.
Di 10–20 Uhr, Mi–So 10–17 Uhr
19 / 15 Franken; freier Eintritt am So 19.5. (Internationaler Museumstag)
www.kmw.ch

Rodrigo Hernández


Der 36-jährige Lissabonner schert sich nicht um aktuelle Schlagzeilen, sondern ist eher auf die grossen Fragen hienieden abonniert: Was ist Liebe? Wo kommen wir her, wo gehen wir hin, und was tun wir, solange wir hier sind? Um über Derartiges nachzusinnen, liefert er kleine, künstlerische Anstösse. Weiterdenken muss jede(r) selbst. (psz)

Kunsthalle Winterthur
Winterthur, Marktgasse 25
Vernissage: Sa 18.5., 17 Uhr
Bis 30.6.
www.kunsthallewinterthur.ch

Erstellt: 15.05.2019, 15:07 Uhr

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