Das sind mehr als nur Abbildungen

Das Kunsthaus zeigt mit seinen Fotografien, weshalb diese ihren Platz im Museum mehr als verdient haben.

David Hockney, 1983: «Gregory & Shinro on the Train».

David Hockney, 1983: «Gregory & Shinro on the Train». Bild: David Hockney / Kunsthaus Zürich

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Vor langer, langer Zeit wurden Informationen mittels Mundpropaganda weitergegeben, dann mit Zeichen und gedruckten Buchstaben, später mittels Fotografie (und nochmals einige Jahrzehnte danach mit dem Fernsehen und dem Internet, aber das ist eine andere Geschichte).

Irgendwann sollte die Fotografie aber nicht mehr einfach nur informieren, sondern aufklären und die Menschen an humanitären Krisen – Kriege, Krisen, Armut – mitfühlen lassen. Eine der bis heute bekanntesten Fotografien aus diesem Genre der Sozialreportage ist die «Migrant Mother» von Dorothea Lange (googeln Sie!), die eine Mutter und zwei kleine Kinder während der grossen Wirtschaftskrise in den USA zeigt.

Bis in die 1960er-Jahre hielt sich die Tradition der Fotografie als Medium, das die Realität zeigt. Und dann bahnte sie sich den Weg in die Kunstwelt und in die Museumshallen. Genau um dieses Moment des Umbruchs und Aufbruchs geht es in der neuen Schau im Kunsthaus. «Die neue Fotografie» heisst die Ausstellung, in der rund 30 Fotos aus der hauseigenen Sammlung zu sehen sind.

Berge erklimmen im Schlaf: In den Bergen von Fischli Weiss.

Eine der ausgestellten Arbeiten ist die Fotocollage von David Hockney (Bild oben). Diese Arbeit des Engländers, der vor allem für seine bunten Malereien und Poolbilder bekannt ist, zeigt exemplarisch den Paradigmenwechsel in der Fotografie. Neu waren auch Experimente mit dem Medium erlaubt; etwa indem man mehrere Bilder zusammensetzt, sie zerschneidet, mit der Perspektive spielt.

Kunstbewegungen wie die Pop-Art, die Konzeptkunst oder die ­Minimal Art beeinflussten die Fotografen, die selbst zu Künstlern wurden. Wenn Peter Fischli und David Weiss etwa Wurstscheiben, Flughäfen oder eine Kissenlandschaft («In den Bergen», ebenfalls zu sehen in der Schau) fotografierten, bildeten sie bewusst keine Realität ab, sondern schufen ein Kunstwerk.

Die neuen fotografischen Positionen, die das Kunsthaus zeigt, erstrecken sich von 1970 bis 1990 und sind entsprechend divers. Doch sie alle eint, dass sie neue Konzepte und Stilrichtungen einführten und unsere Sehgewohnheit bis heute prägen.

Kunsthaus
Heimplatz 1
Ab Freitag Bis 9.2.2020
Di / Fr–So 10–18 Uhr, Mi / Do 10–20 Uhr
Eintritt 26 / 19 Franken
www.kunsthaus.ch

Erstellt: 13.11.2019, 18:46 Uhr

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