Er erschuf 45’000 Werke

Der Österreicher Christian Eisenberger kann nicht anders, als pausenlos Kunst zu machen. Seine Gemälde gibts jetzt in einer Ausstellung zu sehen.

Das schönste kreative Chaos der jüngeren Filmgeschichte – und in der Mitte sein Erschaffer, Christian Eisenberger.

Das schönste kreative Chaos der jüngeren Filmgeschichte – und in der Mitte sein Erschaffer, Christian Eisenberger.

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Ein Priester kauft ein Kruzifix, statt Jesus hängt ein getrockneter Frosch am Kreuz. Unkonventionell, aber echt so passiert – und für alle Zeiten belegt im Dokumentarfilm über den Wiener Kultkünstler Christian Eisenberger (ab 28.3. im Kino).

Der Eisi, das lehrt uns der Streifen des Schweizer Regisseurs Hercli Bundi weiter, hat aber nicht nur dieses Kruzifix gebastelt, sondern auf Einladung durch besagten Priester ganze 40 Tage wie ein Eremit in dessen Kirche gehaust: ohne zu sprechen, dafür mit ganz viel Material, um daraus Kunst zu machen, und mit regelmässigen Masturbationssessions, die ebenfalls zu Kunst verarbeitet wurden.

Überall und zu jeder Zeit

Das spricht einerseits für die Entspanntheit des Priesters, andererseits erklärt es das Kunstverständnis des 40-jährigen Eisenberger: Kunst kann und muss überall und aus allem gemacht werden, und zwar auf Teufel komm raus. Im Film sieht man ihn in seinem Atelier, in Galerien, im Wald, ja eigentlich überall malen, kleben, formen, schneiden, reissen, schleppen, und zwar pausenlos.

Manchmal wirkt er dabei wie ein Märtyrer, der macht, was an Kunst gemacht werden muss, weil es ja sonst keiner tut. 45’000 Werke soll Eisenberger bereits erschaffen haben; und wenn er im Film sagt, dass Beste an seinen Galeristen sei, dass sie ihm das Zeug vom Hals und Platz für Neues schafften, dann glaubt man ihm das sogar.

Wohin das Auge fällt

Einer dieser Galeristen ist Nicola von Senger. Seit einigen Jahren schon arbeitet der Zürcher mit der Vorliebe für leicht Schräges mit Eisenberger zusammen, und als er ihn das letzte Mal in Wien besuchte, um Werke für die nächste Ausstellung auszusuchen, stiess er in dem kreativen Chaos von Eisenbergers Atelier auf neue, grosse, abstrakte Gemälde, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass man vor lauter Farbe und Formen nicht weiss, wo hinsehen.

Ganz nervös habe ihn das gemacht, erzählt uns der Galerist am Telefon, und als er Eisenberger das sagte, habe der nur gemeint, ja logisch, er sei ja auch ein nervöser Künstler. «Lieber nervös, als hässig und bös», habe von Senger ­daraufhin Jörg Schneiders Kasperli zitiert – und Eisenberger fand den Spruch so toll, dass er ihn gleich zum Titel der Ausstellung erklärte. Ansehen sollte man sich beides, die Schau und den Film: weil es selten ist, dass man das Wesen eines Künstlers so vollständig erfassen kann.

Galerie Nicola von Senger
Limmatstr. 275
Vernissage: Fr 15.3., 18–21 Uhr
Bis 11.5.
Der Dokumentarfilm «Eisenberger – Kunst muss schön sein, sagt der Frosch zur Fliege» läuft ab 28.3. regulär im Kino. Vorpremiere in Anwesenheit von Eisenberger und Regisseur Bundi: Fr 22.3., 12 Uhr, Kino Le Paris
www.nicolavonsenger.com

(Züritipp)

Erstellt: 13.03.2019, 15:49 Uhr

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