Die alte Frau und der Computer

Mit 95 Jahren ist Vera Molnar, die Pionierin der Digitalkunst, immer noch aktiv, wie eine aktuelle Schau zeigt.

Neben wenig bekannten Werken gibt es auch Neues von Molnar: Etwa dieses Gerät, mit dem Besucher ihren eigenen «Molnar» kreieren können.

Neben wenig bekannten Werken gibt es auch Neues von Molnar: Etwa dieses Gerät, mit dem Besucher ihren eigenen «Molnar» kreieren können. Bild: Digital Arts Association

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Sie ist eine jener Künstlerinnen, die lange Zeit vergessen waren, bevor man in den letzten Jahren ihre Wiederentdeckung ausrief: Vera Molnar. Die gebürtige Ungarin, die dieses Jahr 95 wird, gilt als Grande Dame der digitalen Kunst, als Pionierin auf einem Feld, das mittlerweile eifrig beackert wird. Tatsächlich arbeitete sie schon mit Algorithmen, als noch kein Mensch wusste, was Computer eigentlich genau sind. «Machine imaginaire» nannte Molnar ihre Methode, nach der sie ab Ende der 1950er-Jahre geometrische Kompositionen zu Papier brachte oder auf der Leinwand umsetzte.

Der Leiter des Rechenzentrums an der Universität in Paris, wo Molnar seit 1947 lebt, muss nicht schlecht gestaunt haben, als ihn die Künstlerin 1968 kontaktierte und darum bat, an seinen Maschinen algorithmische Zeichnungen erstellen zu dürfen. Ein Glück für die Kunstwelt, dass er nach einigem Zögern einwilligte! Seither nahm Molnar immer wieder Computer und Plotter für ihr künstlerisches Tun zu Hilfe und entwickelte bald auch ein eigenes Software-Programm. Wer nun findet, dass das nach kühl-monotoner Ästhetik riecht, liegt falsch. Denn Molnar sorgt in ihren Werken stets für mindestens «1 Prozent Unordnung» – und damit für Spannung.

Planten gemeinsam die Zürcher Ausstellung: Vera Molnar (l.) mit Caroline Hirt, Co-Direktorin des MuDA. Bild: Digital Arts Association

Was das heisst, kann man ab Samstag im Museum of Digital Art begutachten, das Molnar nach ihrer grossen Ausstellung im Haus Konstruktiv 2015 erneut nach Zürich bringt. Gezeigt werden zwanzig Werkkomplexe – rund 100 Bilder – aus einem Zeitraum von 1960 bis heute. Manches davon wird erstmals überhaupt öffentlich präsentiert: meterlange Plotterrollen aus den 1970ern zum Beispiel, oder eine neue fünfteilige Serie, welche Molnar eigens für die Schau entwickelt hat. Denn trotz Altersgebrechen denkt sie noch kein bisschen an Ruhestand. Chapeau, Madame!

Museum of Digital Art
Pfingstweidstr. 101
Vernissage (Online-Anmeldung obligatorisch): Sa 31.8. ab 17 Uhr,
Führung mit Muda-Direktorin Caroline Hirt 17.30 Uhr
Ausstellung bis 9.2.2020 Eintritt 15 / 10 Franken
muda.co

Erstellt: 28.08.2019, 15:57 Uhr

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