Die Antithese zur Smartphone-Fotografie

Guido Baselgia, der seit zwanzig Jahren mit seiner Kamera um den Globus reist, war jetzt auch im Amazonas unterwegs.

Der Titel trifft es: «Tierra caliente – Traurige Tropen», Ecuador 2018.

Der Titel trifft es: «Tierra caliente – Traurige Tropen», Ecuador 2018. Bild: Guido Baselgia

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Guido Baselgias Fotografie ist die Antithese zum schnellen Smartphone-Schnappschuss: Es dauert, bis er seine Grossformatkamera aufgestellt hat, bis die Einstellungen stimmen, bis er die Bilder entwickelt hat. Doch genau von dieser Langsamkeit leben Baselgias Landschaftsfotografien. Seine oft horizontlosen, fast abstrakten Bilder von Gesteinsformationen, Schnee und Eis muten manchmal geradezu surreal an.

Bekannt wurde der 66-jährige Bündner mit Fotografien aus «geologischen Randzonen», wie die Ausstellungsmacher seiner neusten Schau in Winterthur schreiben. Heisst: aufgenommen meist über der Waldgrenze, im Engadin, in Norwegen oder Feuerland.

Landschaft als Aggregatszustand

Doch für sein neustes Langzeitprojekt «Als ob die Welt zu vermessen wäre» (dessen Titel nicht an Daniel Kehlmanns Buch, sondern an Christoph Ransmayrs «Atlas eines ängstlichen Mannes» angelehnt ist) zog es ihn in den Amazonas, eines der am dichtest bewachsenen Gebiete der Welt. «Wohin ich für meine Projekte reise, ergibt sich aus den vorhergegangenen Zyklen», erklärt Baselgia am Telefon.

Aufgewachsen ist Baselgia, der seit 45 Jahren fotografiert und lange als Fotoreporter gearbeitet hat, im Engadin. Die Kargheit der Berglandschaft habe ihn wohl entscheidend geprägt, sagt er. «Für mich ist Landschaft ein Aggregatszustand: Ich fokussiere in meinen Bildern auf Eis, Schnee oder Stein. Zugleich ist Landschaft auch ein Kulturgut.»

Heikles Unterfangen

Im Amazonas hat Baselgia deshalb nicht nur die dichte Vegetation dokumentiert, sondern auch die Ureinwohner porträtiert. Ein heikles Unterfangen, denn einen voyeuristischen Blick wollte Baselgia vermeiden. Für ihn sei aber auch klar gewesen, dass er sich dem Amazonasraum nur nähern kann, wenn er nicht nur die Natur, sondern auch die darin lebenden Menschen fotografiert.

Es ist übrigens nicht so, dass Baselgia die Smartphone-Kamera nie benützt. «Ich verwende sie als visuellen Notizblock», sagt er. «Smartphone-Fotografie ist nicht besser oder schlechter, sondern schlicht ein anderes Medium.» Mit diesem anderen Medium könne er aber nie dieselbe Kraft und Tiefe wie mit der analogen Fotografie erreichen, sagt Baselgia entschieden.

Fotostiftung Schweiz
Winterthur, Grüzenstr. 45
Vernissage: Fr 18.10. ab 18 Uhr
Führung mit Guido Baselgia: So 20.10. 11.30 Uhr
Di–So 11–20 Uhr, Mi 11–20 Uhr
Bis 16.2.2020
www.fotostiftung.ch

Erstellt: 17.10.2019, 13:57 Uhr

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