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Die Gentlemen, die seit 50 Jahren provozieren

Das Paar Gilbert & George macht bereits sehr lange sehr erfolgreich Kunst. Jetzt ist ihre Wanderretrospektive in Zürich.

Paulina Szczesniak
Auch in der von Hans Ulrich Obrist und Daniel Birnbaum kuratierten Schau zu sehen: «City Drop», 1991.
Auch in der von Hans Ulrich Obrist und Daniel Birnbaum kuratierten Schau zu sehen: «City Drop», 1991.
Gilbert & George

Sie sind das schönste Paar des Kunstbetriebs. Da gibts nichts dran zu rütteln. Gilbert Prousch und George Passmore, 76 respektive 78 Jahre alt, seit 1967 (da brachten die Beatles «All You Need Is Love» raus!) sowohl privat als auch beruflich ein Team und seit mindestens damals auch immer top gestylt, mit Sakko und Schlips. Und: nicht auf den Mund gefallen.

Wo immer die beiden Briten zu etwas befragt werden – und das werden sie oft, weil altersweise, gesprächig und fotogen –, antworten sie einstimmig und, vor allem, ohne sich um die Political Correctness zu scheren. (Dazu rechts mehr, wo wir ein paar hübsche Zitate zusammengestellt haben.)

Und ihre Kunst? Die ist eigentlich so wie ihre Statements: farbenfroh, fadengerade, pointiert-provokativ. Ihre grossformatigen Bilder (die sie konsequent Skulpturen nennen, wie alles, was sie erschaffen) erinnern an eine Kreuzung aus Fotocollage und Kirchenfenster. Und genau genommen sind sie das auch. Sämtliche Sujets finden die beiden auf ihren Spaziergängen durch Spitalfields in Londons East End, wo sie vor Jahrzehnten hingezogen sind (und jeden Abend im selben kurdischen Restaurant essen). Hier finden und fotografieren sie alles, was die Welt und ihre Kunst (oder eben ihre «visuellen Predigten») bewegt: Burkas, Hipsterbärte, Nutten, Skinheads, Hundedreck. Am liebsten alles durcheinander.

Poppig-bunt wie Warhol (obwohl sie den nicht mögen, weil «zu konsumistisch»). Mit der Kunstkritik stehen sie auf Kriegsfuss, die linke Grundhaltung im Kulturbetrieb ist ihnen suspekt, aber für einen Turner-Preis (1985) und eine Venedig-Biennale-UK-Repräsentation (2005) hats doch gereicht. Nun kommt ihre grosse Übersichtsschau nach Stationen in Arles, Stockholm und Oslo auch nach Zürich. Hallelujah!

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«Wir mögen am Brexit, dass die Menschen dank ihm zum ersten Mal seit langem wieder nachdenken müssen, was sie wirklich wollen.»«Weltkunst», 2017

«Die Moral der Kirche ist tot, weil sie stillsteht. Alles, was von der Religion kommt, ist in Stein gemeisselt.»«Abendzeitung», 2019

«Die EU geht in Richtung einer immer stärkeren Integration der Einzelteile. Wir als Künstler wollen nicht integriert werden. Denn wenn das so weitergeht, müssen bald alle Minimal Art machen.»«Tages-Anzeiger», 2019

«Alle Menschen, die wir in der Kunstwelt kennen, haben dieselbe linke Meinung, vom Verkäufer im Museumsshop bis zum Direktor. Da stimmt doch etwas nicht.»«Art», 2018

«Wir brauchen keine Pause davon und keine Ferien. Alle wollen immer nur vor ihren Jobs davonlaufen, am liebsten nach Thailand. Wir nicht.»«Monopol», 2019

«Der Konservatismus will in erster Linie für das Individuum da sein statt für die Kollektive. Als Künstler müssen wir auch den Einzelnen ansprechen. Das Individuum soll frei sein, sich in seiner Andersartigkeit zu behaupten, es soll sich fähig fühlen, am Morgen aufzustehen und zu sagen: ‹Fickt euch doch alle.›»«The Guardian», 2019

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Luma Westbau /Kunsthalle Löwenbräukunst, Limmatstr. 270 Vernissage mit Gilbert & George: Fr 21.2. 18 Uhr Bis 10.5.www.westbau.comwww.kunsthallezurich.ch

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