Die Kunst ist weiblich

Liegt es am Frauenstreik? Jedenfalls zeigen Zürcher Galerien derzeit auffallend viel Kunst von Frauenhand.

Sehr direkt: Judith Bernstein mit ihrer Malerei.

Sehr direkt: Judith Bernstein mit ihrer Malerei.

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Grande FemaleBolte Lang, Limmatstr. 214
Bis 6.7.

Grande Finale? Grande FEMALE! Die beiden Galeristinnen Anna Bolte und Chaja Lang sagen nach zwölf Jahren bye-bye – und zeigen in ihrer letzten gemeinsam kuratierten Schau Werke von Künstlerinnen (und auch ein paar Künstlern), die ihnen im Laufe der Zeit besonders ans Herz gewachsen sind. Wem selbiges nun ein bisschen bricht, sei getröstet: Chaja bleibt noch ein Weilchen und wird den Raum an der Limmatstrasse alleine bespielen. Und Anna? Von der werden wir künftig auch wieder hören. Sie plant nämlich, Hörspielsprecherin zu werden.

AmazonkiGmurzynska, Paradeplatz 2 / Talstr. 37
Bis 8.9.

Das russische Wort für Amazonen lautet Amazonki. Und genau so nannte der Dichter Benedikt Konstantinowitsch Liwschiz jene Kolleginnen, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Dreck um Gepflogenheiten scherten und stattdessen machten, wonach ihnen der Sinn stand, nämlich spektakulär frische Malerei, Design und Theaterkulissen. All das zeigte Krystyna Gmurzynska vor genau 40 Jahren in ihrer Galerie, damals noch in Köln. Jetzt, mittlerweile an gleich zwei Zürcher Locations, gibts ein Wiedersehen mit Goncharova, Stepanova und Co.

Ana RoldánAnnex 14, Limmatstr. 270
Bis 6.7.

Schläft diese Ana eigentlich auch mal? Auf jeden Fall hat die Schreinertochter aus Mexiko-Stadt mit knapp Ü-40 schon Kunst, Geschichte und Linguistik studiert, eine Beiz geführt, Möbel designt, in China gelebt und zwei Kinder gezeugt. In ihrer Stammgalerie zeigt sie nun, was passiert, wenn Natur mit Poesie kollidiert – und man das Ganze mit einer Prise Humor würzt. Und was uns entgeht, weil wir nonstop ins Handy glotzen. Selfies sind in der Schau zwar erlaubt, aber: Versuchen Sies mal ohne. Und beobachten Sie, was das mit Ihnen macht.

Setzt auf subtile Botschaften: Ana Roldán mit «Balance»

Judith BernsteinKarma International, Weststr. 75
Bis 13.7.

Die Bernstein lebte den Feminismus schon, da war ein Grossteil der jetzigen Frauenstreikerinnen noch nicht einmal geboren. In den 70ern musste sich die New Yorkerin mit Zensur herumschlagen, weil sie es gewagt hatte, Penisse zu pinseln. Sie biss sich durch und malte weiter, bis heute. Immer noch sind es «Cocks», die sich in ihren Bilder tummeln, flankiert von «Blue Balls» (so auch der Titel ihrer zweiten Schau bei Karma) sowie reisszahnbewehrten Vaginen. Eine fadengerade, nicht ganz ironiefreie Ode an den ewigen Kampf zwischen Männlein und Weiblein.

Monica Bonvicini

Galerie Peter Kilchmann Zahnradstr. 21
Bis 26.7.

Das penetranteste Werk an der laufenden Art Unlimited stammt von Monica Bonvicini: Ein von der Decke hängendes, dickes Bündel schwarzer Ledergürtel wird von einer aggressiv zischenden Hydraulik so in Bewegung gehalten, dass ihre Schnallen nonstop gegen den Betonboden schrammen. Man denkt an Folter, Zermürbung, Sadomaso ... und begreift sofort, warum die 54-jährige Venezianerin als Meisterin der Spielchen mit Macht und Geschlechterrollen gilt. In ihrer aktuellen Zürcher Ausstellung «bind me! torture me!» gehts entsprechend weiter rund.

Monster ChetwyndGregor Staiger, Limmatstr. 268
Bis 20.7.

malerei Getauft ist sie auf Alalia Chetwynd. Das hatte der Britin aber zu wenig Power. Also benannte sie sich um – erst in Spartacus Chetwynd, später in Marvin Gaye Chetwynd, zuletzt in Monster Chetwynd. Ihr Söhnlein heisst übrigens Dragon. Auch hübsch. Jedenfalls passt das ganz gut zu einer, die Riesenschneckenskulpturen an der altehrwürdigen Tate Britain hochschleimen liess und auch sonst eine Bildsprache pflegt, die sich gelegentlich im schlüpfrigen Winkel von Alices Wunderland speist. Witzig ist das, schön schräg und deshalb: herrlich erfrischend.

Erstellt: 15.06.2019, 09:46 Uhr

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