Er gilt als Ikone in der Modefotografie

F. C. Gundlach hat die Modefotografie geprägt. Nun sind seine Bilder erstmals in einer Schweizer Schau zu sehen.

Gefangen im Moment: Karin Mossberg auf dem Champs Elysées Ensemble für die Zeitschrift Annabelle 1966.

Gefangen im Moment: Karin Mossberg auf dem Champs Elysées Ensemble für die Zeitschrift Annabelle 1966. Bild: F. C. Gundlach

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500 000 Meilen. Diese unglaubliche Distanz soll der Fotograf Franz Christian Gundlach in seinem Leben zurückgelegt haben. Ob Ägypten, Kenia, die USA, Brasilien oder Kambodscha: Der Deutsche reiste für seine Fotografien rund um den Globus und hat dabei die Welt der Mode geprägt.

Dass die Kuratorinnen im Text zur neuesten Ausstellung nicht einfach von Modestrecken oder -fotografien schreiben, sondern von Modereportagen, ist deshalb ebenso treffend wie der Titel der Schau: «500 000 Meilen – Mit F. C. Gundlach um die Welt». Bemerkenswert ist dies nicht zuletzt, weil Gundlach 1947 zu fotografieren und reisen begann – zu einer Zeit also, in der erstens Fliegen als Luxus galt und zweitens Deutschland gerade einen Krieg verloren hatte.

Eines der bekanntesten Bilder Gundlachs und typisch für seine Ästhetik: «Op-Art-Badeanzug», 1966. Foto: F. C. Gundlach

Zufällig war bei F. C. Gundlachs Fotografien wenig: Oft geometrisch und flächig aufgebaut und arrangiert – ob die Kulisse oder die Position und Haltung der Models –, hatten seine Bilder eine neue, eigene Sprache. Aber nicht nur auf ästhetischer, sondern auch auf institutioneller Ebene setzte Gundlach Akzente. Mitte der 70er-Jahre baute er in Hamburg eine der ersten Fotogalerien Deutschlands auf, wo er Arbeiten amerikanischer Berufskollegen wie Richard Avedon und Irving Penn ausstellte und den heutigen Fotografiestar Wolfgang Tillmans in seinen Anfängen förderte.

Später organisierte er die «Triennale der Photographie» in Hamburg und wurde 2003 Gründungsdirektor im «Haus der Photographie» in ­den Deichtorhallen. Kein Wunder also, dass Gundlach Träger zahlreicher wichtiger Preise, ­Medaillen und Ehrentiteln ist. Dass er seinen heutigen Ikonenstatus erreichen konnte, kam für ihn selbst überraschend. Er glaubte nämlich einst, keine 40 Jahre alt zu werden. Wieso? Als gerade mal 17-Jähriger wurde er nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zum Luftwaffenhelfer einberufen; zwei Jahre später landete er in Kriegsgefangenschaft und erkrankte an Lungentuberkulose.

Vor der Cheopspyramide: Karin Mossberg für Radium. Gizeh, Ägypten 1966. Foto: F. C. Gundlach

Gundlach dokumentierte während vier Jahrzehnten als aktiver Fotograf – unter anderem für den «Stern» und die «annabelle» – neben der Mode der Zeit auch das sich wandelnde Frauenbild. Aber auch die von Touristenmassen noch verschonten Orte wie die Pyramiden von Gizeh oder die Tempel von Angkor Wat. Wie produktiv Gundlach war, belegt sein Output als Hausfotograf der Zeitschrift «Brigitte»: 180 Cover sowie über 5500 Modeseiten in 23 Jahren. Rund 100 von Gundlachs bedeutenden Bildern sind nun erstmals in der Schweiz in einer Retrospektive zu sehen.

Der Fotograf in Aktion: Locationreise nach New York mit der SS United States. Foto: F. C. Gundlach

Heute ist Franz Christian Gundlach 93 Jahre alt. Und überlässt, auch was sein Nachleben angeht, nichts dem Zufall. Bereits vor Jahren hat er auf einem Friedhof in Hamburg ein Mausoleum bauen lassen. Eine Seite des Betonkubus ziert eine grosse Gravur eine seiner ikonischsten ­Bilder: zwei Frauen in Badekappen vor einer ägyptischen Pyramide.

Photobastei
Vernissage: Do 18 Uhr
Bis 27.10.
Mi–Sa 12–21 Uhr, So 12–18 Uhr
Eintritt: 12 / 8 Franken
www.photobastei.ch

Erstellt: 05.09.2019, 10:08 Uhr

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