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Er ortet Kunst, wo keine ist

Der aus Kalifornien stammende Brigham Baker hat den Manor-Kunstpreis gewonnen. Er geht Kunst mit kindlicher Neugier an.

Paulina Szczesniak
Sehen aus wie Gemälde, sind aber originelleren Ursprungs: Die Werke der Serie «Shade» (2017).
Sehen aus wie Gemälde, sind aber originelleren Ursprungs: Die Werke der Serie «Shade» (2017).
Brigham Baker

Es ist ein schampar gutes Wochenende, das da auf Winti zukommt. Nicht nur, dass es wieder Zeit ist für die Jungkunst-Messe (s. links), sondern es starten auch zwei hübsche, kleine Ausstellungen im Kunstmuseum: Zum einen wird ein Werk von Yves Netzhammer, das dem Museum unlängst geschenkt wurde, präsentiert (s. Box), zum andern der diesjährige Manor-Kunstpreis-Gewinner vorgestellt.

Der Manor-Preis, das sei hier kurz erklärt, ist ein seit den 80ern in verschiedenen Städten an U-40-Künstler verliehener Preis, der – neben einem 15 000-Fr.-Scheck – in Form einer Ausstellung «ausbezahlt» wird, und es haben ihn schon Pipilotti Rist (1994, St. Gallen), Nic Hess (2002, Zürich; er hat grade eine entzückende Schau in der Galerie Ziegler) oder Yves Netzhammer (1998, Schaffhausen, eben: siehe Box) gewonnen.

Ein Reifen im Raum: Arbeit von Brigham Baker.
Ein Reifen im Raum: Arbeit von Brigham Baker.

Jedenfalls: Diesmal kommt ein gewisser Brigham Baker in die Kränze. Und wenn man diesen Namen noch nie gehört hat, dann vielleicht deshalb, weil dies seine erste Soloausstellung in einem Museum ist; aber der Mann ist ja auch erst 30. Der Wahlzürcher, der ursprünglich aus dem ebenso überschaubaren wie beschaulichen kalifornischen Städtchen Nipomo stammt, hat nun eine ganz besondere Gabe, nämlich: genau hinzusehen.

Lange und geduldig, und aus dem Beobachteten anschliessend Kunst zu machen. Ein Beispiel: In kaputten Pneus, die entlang von Strassen liegen bleiben, ziehen Insekten ein; und das Mini-Universum, das sich diese Viechlein dort schaffen, fotografiert Baker dann. Oder, siehe Foto oben: Was wie runde Gemälde aussieht, sind in Wahrheit aufgespannte, ausgediente Sonnenstoren, die von Wind und Wetter über die Jahre optisch reizvoll «bearbeitet» wurden. In Winterthur nun präsentiert Baker – nein. Nur so viel: Diesmal hat er Äpfel beobachtet. Und die Art, wie die Zeit ihnen zusetzt. Eine schön meditativ-fruchtige ­Geschichte.

Kunstmuseum Winterthur Beim Stadthaus, Museumstr. 52 Vernissage u. Preisübergabe an Brigham Baker: Do 24.10. 18.30 Uhr Bis 5.1.2020 (sowohl Baker als auch Netzhammer) Führung mit B. Baker und Direktor K. Bitterli: Di 17.12., 18.30 Uhrwww.kmw.ch

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