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Ich schiess mir eine Vase

Innovative Materialien und Techniken: «Designlabor» im Museum für Gestaltung zeigt Design frisch ab 3-D-Drucker.

So viel zum Vorurteil, dass Design nüchtern daherkommen muss: «Made with pleasure Factory» von Romain Kloeckner.
So viel zum Vorurteil, dass Design nüchtern daherkommen muss: «Made with pleasure Factory» von Romain Kloeckner.
Romain Kloeckner/Iris Rijkskamp

Was macht der Typ auf dem Foto? Ballert mit einem selbst gebauten Luftdruckgewehr Tonkugeln ab. Sein Ziel? Eine Vasenform, vorn an der Wand. Ist da erst mal genügend Lehm drangeklatscht, lässt man das Ganze gut trocknen – und fertig ist die Do-it-yourself-Vase der etwas anderen Art.

Was wie eine Attraktion an einem Teenager-Geburtstag klingt, ist in Wirklichkeit: Kunst. Entwickelt hat die lustige Tonflinte der junge Franzose Romain Kloeckner, und zwar, weil es ihm ungerecht erschien, dass im Designbereich die kreativen Köpfe allen Spass haben, während diejenigen, die deren Entwürfe anschliessend produzieren, sich mit trockenen Fertigungsplänen abmühen müssen. Sein witziger Vorschlag, etwas daran zu ändern, nennt sich denn auch «Made with Pleasure» – und war seine Abschlussarbeit an der Design Academy Eindhoven.

Druckfrische Exponate

Dass Kloeckners Tonflinte sich derzeit in Zürich befindet und hier sogar ausprobiert werden kann, verdankt sich der Kuratorin des Museums für Gestaltung, Karin Gimmi. Die nämlich hat eine Langzeitausstellung auf die Beine gestellt, in der statt angestaubter historischer Exponate brandneue, druckfrische zu sehen sind. Und zwar im wahrsten Sinn des Wortes.

So war eine Betonsäule aus dem 3-D-Drucker der ETH Zürich, die Karin Gimmi ins Museum liefern liess, am Transporttag leider noch nicht ganz ausgetrocknet – und prompt brach das zwei Meter hohe, 300 Kilo schwere Ding auseinander.

Hollywood liegt nah

Zum Glück konnte man es flicken, sodass es nun doch Einzug in die Schau gefunden hat, zusammen mit weiteren materialtechnisch innovativen Kuriositäten. Wie etwa Akustikpaneele aus Pilzzellen. Oder eine Jacke für Stunt-Spezialisten (aus St. Galler Fabrikation; Hollywood liegt so nah!).

Kurz: Es geht um neuartige Werkstoffe und nachhaltige Fertigungstechniken, an der Schnittstelle von Forschung und Design. Und das Schönste: Man darf fast alles auch anfassen. Oder eben, wie bei der Tonflinte: ausprobieren.

Museum für Gestaltung Toni-areal, Pfingstweidstr. 96 Vernissage: Do 19 Uhr Bis Frühling 2020 Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr Eintritt 12 / 8 Frankenwww.museum-gestaltung.ch

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