Immer wieder Max Bill

Am Künstler, Architekten und Nationalrat kommt man bis heute nicht vorbei. Anlässlich einer neuen Schau haben wir auf sein Schaffen zurückgeblickt.

Bills Gemälde beruhten fast ausschliesslich auf geometrischen Formen und mathematischen Grundlagen: «Magische Chromographie», 1944-46.

Bills Gemälde beruhten fast ausschliesslich auf geometrischen Formen und mathematischen Grundlagen: «Magische Chromographie», 1944-46. Bild: Max Bill/Pro Litteris Zürich

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«Konstruktion aus Schwarz, Lila, Orange und Weiss»

Max Bill, Konstruktion aus Schwarz, Lila, Orange und Weiss, 1944/45. Bild: Max Bill/Pro Litteris Zürich, Kunsthaus Winterthur

Der 1908 geborene Bill war Begründer der Zürcher Konkreten. Inspiriert von Wassily Kandinsky und Paul Klee, unter denen Bill am Bauhaus in Dessau studierte, und dem Urvater der konkreten Kunst, Theo van Doesburg, proklamierte er 1949 in einem Ausstellungskatalog des Kunsthauses Zürich die neue Strömung, die auf geometrischen Formen und somit mathematischen Grundlagen beruht.


Hochschule für Gestaltung Ulm

Ab den 1950er-Jahren lehrte Bill an der von ihm mitbegründeten Hochschule für Gestaltung in Ulm. Nicht nur war er der erste Rektor der Schule, er entwarf auch das Schulgebäude. Bis 1968 wurden etwa ICE-Gestalter Alexander Neumeister oder der international bekannte Designer Rolf Müller ausgebildet, Josef Albers und Johannes Itten unterrichteten unter anderen hier. Und so gilt die HfG Ulm – die Stadt war nach dem Zweiten Weltkrieg Zentrum eines intellektuellen Aufbruchs – nach dem Bauhaus als international bedeutendste Designschule.


Ulmer Hocker

Max Bill, Ulmer Hocker. Bild: Max Bill, Pro Litteris Zürich

Drei Holzbretter und ein Holzrundstab: Das einfache Möbel, das als Hocker, Beistelltisch oder Gestellelement eingesetzt werden kann, geniesst heute Kultstatus. Gemeinsam mit Hans Gugelot entwickelte Bill 1954 das Objekt für die Studenten an der Kunsthochschule in Ulm, wo der gebürtige Winterthurer damals unterrichtete. Bis heute wird der Hocker produziert und verkauft – und hat mittlerweile sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag.


Pavillon-Skulptur

Steht prominent an der Bahnhofstrasse: Max Bills Pavillon-Skulptur. Bild: Philip Hitz/Pro Litteris Zürich

Das grosse Granitwerk an der Ecke Bahnhof-/Pelikanstrasse, das aus 63 gleich grossen Quadern besteht, wurde 1983 errichtet und sorgte damals bei den Zürchern für grosse Empörung; als monströs und scheusslich wurde es geschimpft. Auftraggeber waren der Stadtrat und die Direktion der Bankgesellschaft, die Max Bill zu dessen 70. Geburtstag mit einem Kunstwerk im öffentlichen Raum ehren wollten. Bill selbst wünschte sich, unter den Granitbögen bestattet zu werden. Als die Stadt dies nach seinem plötzlichen Tod 1994 ablehnte, verstreute seine Witwe die Asche des Künstlers rund um die Pavillon-Skulptur.


Die Gute Form

Viele von Max Bills Schriften drehten sich um Produktgestaltung – in ihrer Summe ergaben sie das Postulat «Die Gute Form», das 1957 als Buch erschien. Das gestalterische Ziel sollte sein, dass Funktion, Form und Schönheit eines Produkts perfekt harmonierten und es somit zeitlos ist. Zahlreiche Gestalter, z. B. Susi und Ueli Berger, orientierten sich an den von Bill und dem Schweizer Werkbund aufgestellten Richtlinien.


Kunstmuseum Winterthur
Beim Stadthaus, Museumstr. 52
Vernissage: Fr 18.30 Uhr
Di 10–20 Uhr, Mi–So 10–17 Uhr
Bis 2.2.2020
www.kmw.ch

Erstellt: 11.04.2019, 10:05 Uhr

Konstruktives Kabinett – Max Bill und die Zürcher Konkreten

In der Geburtsstadt Bills sind in der jüngsten Schau überwiegend Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums Winterthur zu sehen. Seine Arbeiten werden durch Werke von Zeitgenossen und Vertreter der konkreten Kunst wie Richard Paul Lohse oder Camille Graeser sowie aktuelle konkrete Positionen ergänzt.

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