Japanische Premiere in Zürich

Rosetsu war Samurai-Sohn, Rebell und Spassmacher. Die Bilder des Japaners sind jetzt erstmals ausserhalb seiner Heimat zu sehen.

Das Werk hat seine erste Flugreise angetreten: Ausschnitt aus Rosetsus sechs-türiger Tiger.

Das Werk hat seine erste Flugreise angetreten: Ausschnitt aus Rosetsus sechs-türiger Tiger. Bild: Muryoji Kushimoto

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Nagasawa Rosetsu (1754–1799) wurde nur 44 Jahre alt, doch sein Ruf als Ausnahmekünstler hallt bis heute nach. Er kam als Sohn eines Samurai zur Welt und wurde mit fünf Jahren von einem Soldaten namens Nagasawa adoptiert. Den Künstlernamen ­Rosetsu («Verschneites Schilf») gab er sich selber, was etwas rätselhaft klingt, aber von seinem Selbstverständnis als Künstler zeugt.

Dazu passt, dass er in der Kunstschule bald mal genug vom Kopieren naturalistischer Musterbücher hatte – und kurzerhand blutjung eine eigene Werkstatt gründete. «Nicht seine Bildmotive ­waren aussergewöhnlich», erklärt Rietberg-Kuratorin Khanh Trinh, «sondern deren Umsetzung: schnörkellos und modern reduziert.»

Berg Penglai, Nagasawa Rosetsu, 1794, Hängerolle, Tusche und Farben auf Seide. Bild: Privatsammlung, Japan

Vor allem malte er in einer einzigen Nacht einen riesigen Tiger, der über sechs Tempeltüren reicht und bis heute das Innerste des Zen-Tempels Mury?ji im Süden der japanischen Hauptinsel Honsh? beschützt.

Die Stätte wurde nun im Rietberg nachgebaut und bildet das Herzstück der Schau, die Rosetsus Werke erstmals ausserhalb Japans zeigt. Weshalb besagter Tiger eher wie eine Katze als wie ein Raubtier aussieht, bleibt Rosetsus Geheimnis. Wobei: Humor soll er durchaus besessen und manchmal auch eins über den Durst getrunken haben.

Museum Rietberg
Gablerstr. 15
Ab Do, 6.9.
Bis 4.11.
Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr
Reichhaltiges Rahmenprogramm inkl. Führungen, Talks, Performances, Meditation: www.rietberg.ch

(Züritipp)

Erstellt: 05.09.2018, 16:07 Uhr

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