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Jetzt tun Sie doch endlich mal etwas!

Das Kunsthaus verwandelt sich im Rahmen des Experiments «Action!» kurzzeitig in einen Performance-Tempel. Mitmachen ausdrücklich erwünscht!

Ohne Pneus geht gar nichts bei Allan Kaprows «Yard» (1961). Das Happening wird im Kunsthaus von San Keller reinszeniert. (Bild: San Keller, Foto: Alexander Schmidt/ZVG)
Ohne Pneus geht gar nichts bei Allan Kaprows «Yard» (1961). Das Happening wird im Kunsthaus von San Keller reinszeniert. (Bild: San Keller, Foto: Alexander Schmidt/ZVG)

Klassisch: Es läuft irgendwo eine Ausstellung an, und man verpasst die Eröffnung, aber easy, man geht ja dann später noch hin. Denkt man. Und dann, plötzlich, ist die Schau zu Ende, und gesehen hat man sie natürlich immer noch nicht. Paradoxerweise passiert das umso eher, je länger eine Ausstellung dauert. Deshalb ists ein Plus, dass die diesjährige Sommerschau im Kunsthaus nur knackige fünf Wochen dauert. «Action!» heisst sie, und der Titel ist Programm. Denn da ist nichts mit Bildern an der Wand; stattdessen gehts um Performances, Happenings und Live-Aktionen jeglicher Art. Wobei man wahlweise nur zuschauen oder mitmachen kann (aber keine Bange: Überfälle wie bei einer Zaubershow, wo die Leute aus der ersten Reihe schon mal unfreiwillig zum Assistenten werden, gibts im Kunsthaus nicht). Hier die Highlights:

1. Zürich aufmischen auf dem «Protest Bike»

Sommer, Sonne, Wonne – Ihnen steht der Sinn mehr nach Open-Air-Artigem als nach Museum? Die Künstlerin Marinella Senatore hat ein Herz für Freiluftliebhaber und stellt ihr «Protest Bike» zur Verfügung. Wer sich online in die Reservationsliste einträgt, kann zwei Stunden auf dem mit bunten Fähnchen und Megafonen ausgestatteten Göppel durch Zürich flitzen und lautstark verkünden, was ihn/sie freut oder nervt. Weckt den Exzentriker(in) in dir!

2. Kunst gucken in Clogs

Machen Sie Pediküre. Das ist im Sommer grundsätzlich empfehlenswert – und jetzt ganz besonders: Die libanesisch-syrische Künstlerin Mounira Al Solh stellt am Ausstellungseingang einen ganzen Haufen traditioneller syrischer Holzpantoffeln bereit. Man zieht die eigenen Schuhe aus und besichtigt die Schau stattdessen in einem Paar der bereitgestellten Clogs – und wird so beim Kunstkonsum auch ein bisschen Mitproduzent.

3. Pöbel-Postings lesen und lauschen

Cally Spooner aus London überträgt Kommentare aus Internetforen mittels LED-Schriftbox ins Museum. Aber nur die bösen! Und manchmal, und zwar ohne Vorankündigung, wird eine Opernsängerin diese sogar live vorsingen.

4. Klassiker Entdecken

Performance und Co. wurden ja in den 60ern «geboren». Und weil man den Geburtshelfern dieser Kunstform Tribut zollen will, werden Kultarbeiten von Yoko Ono, Adrian Piper und Happening-Vater Allan Kaprow (siehe Bild) reanimiert. Jeden Ausstellungstag mindestens eine!

5. Töne sammeln

Wie klingt Zürich? Ob Baustellengeratter, Tramschienengequietsche oder dieses Glockenspiel an der Bahnhofstrasse: Nehmen Sies auf und stellen Sies online. Marinella Senatore (siehe Punkt 1) sammelt alle Eingaben und komponiert daraus am Schluss einen Züri-City-Soundtrack.

6. Petition unterzeichnen

Aktionskunst ist gern politisch. «Action!» bietet drum die Möglichkeit, eine Petition an Papst Franziskus zu unterzeichnen, die Flüchtigen, Vertriebenen und Heimatlosen die vatikanische Staatszugehörigkeit ermöglichen will. Online kann man mitmachen – oder die Staatsbürgerschaft sogar selbst beantragen.

Noch Fragen? An der Schau gibts u. a. auch Kunst von Francis Alÿs, Dieter Meier und Tino Sehgal zu sehen. Tickets sind ausnahmsweise zweimal gültig, damit man mehr «Action!» mitbekommt. Das detaillierte Performance-Programm ist ­online. Also: clever planen – oder einfach mal hingehen und sich überraschen lassen.

Kunsthaus, Heimplatz 1 action.kunsthaus.ch Ab Freitag Bis 30. Juli Di–So 10–18 Uhr, Mi/Do 10–20 Uhr Eintritt 26/19 Franken (bis 16 Jahre gratis)

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