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Kleider machen Kunst

Gehört Mode ins Museum? Ja, findet das Kunsthaus und zeigt, wie eng Kunst und Mode verbunden sind.

Die 90s konnten auch subversiv: Peter Lindbergh ichtete Linda Evangelista, Christy Turlington und Naomi Campbell in Männeranzügen ab.
Die 90s konnten auch subversiv: Peter Lindbergh ichtete Linda Evangelista, Christy Turlington und Naomi Campbell in Männeranzügen ab.

Die Mode hat oft einen schweren Stand. Sie gilt als banal und als zu teuer, wer sich dafür interessiert, als oberflächlich und dümmlich. Dass Mode aber auch immer etwas über die Gesellschaft aussagt und deshalb kulturell Gewicht hat, zeigen etwa die Modesammlungen des Metropolitan Museum in New York oder die des Londoner Victoria & Albert Museum. Auch das Kunsthaus widmet sich jetzt der Mode.

«Fashion Drive» findet in Zusammenarbeit mit den Zürcher Festspielen statt. Das diesjährige Motto: «Schönheit/ Wahnsinn». Wahnsinnig, ja, das ist die Mode manchmal tatsächlich. Oder wie soll man sich modische Extravaganzen wie Faltenrockharnisch (ein eiserner Rock für den Mann) oder Schamkapsel (ein Accessoire zur Hervorhebung der männlichen Potenz) erklären?

Wer im Kunsthaus nach extremen Couture-Entwürfen sucht, wird allerdings nicht fündig werden. Denn zu sehen ist nicht die Kunst der Mode, sondern die Mode in der Kunst. Die Ausstellung beginnt im Mittelalter und arbeitet sich mit 200 Exponaten chronologisch bis ins Jetzt vor: Schlitzmode aus dem 16. Jahrhundert; Gemälde von Giovanni Boldini, der die Dandymode festhielt; Entwurfszeichnungen eines futuristischen Anzugs von Giacomo Balla; eine Skulptur in einem Elsa-Schiaparelli-Kleid der Schweizerin Mai-Thu Perret.

Durch die grosse Vielfalt der Werke wird auch vermieden, dass gängige Klischees bedient werden. Stattdessen setzt sich «Fashion Drive» kritisch mit Phänomenen wie Ressourcenverschwendung auseinander und thematisiert das gesellschaftliche Potenzial der Mode. Als Peter Lindbergh etwa drei Frauen unterschiedlicher Ethnie fotografierte (siehe Bild), noch dazu in Männeranzügen und mit maskulin gegelten Haaren, war dies vor allem eines: der Bruch mit Konventionen.

Die Schau macht deutlich, dass Kleidung die Gesellschaft immer betraf und sie immer betreffen wird. Jeden Morgen müssen wir uns überlegen, in welche Stoffe wir uns hüllen wollen. Oder eben müssen. So banal wie ihr Ruf kann die Mode also nicht sein, wenn sich so viele Kunstschaffende mit ihr beschäftigten. Und es noch heute tun.

Kunsthaus, Heimplatz 1 www.kunsthaus.ch/fashiondrive Ab Frreitag, bis 15. Juli Öffentliche Führungen jeden So, 11 Uhr, und jeden Mi, 18 Uhr Fashion Ball: Sa, 5.5., 20 Uhr Weitere Veranstaltungen siehe Website

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