Leben nach dem Lustprinzip

Im Kino Roland werden keine Sexfilme mehr gezeigt. Seine Vergangenheit wird es aber nicht los, wie die Schau #candy_mysterio zeigt.

Aus der Fotoserie «I Want to Be Like Rey Mysterio» von Désirée Good.

Aus der Fotoserie «I Want to Be Like Rey Mysterio» von Désirée Good.

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Das Kino Roland ist mittlerweile Kult, sogar im Schauspielhaus wurde es als Bühnenbild schon nachgebaut (für Frank Castorfs Inszenierung «Justiz» Anfang ­dieses Jahres). Und mit seiner prominenten pinken Leuchtschrift ist es nicht mehr aus der Kulisse der Langstrasse wegzudenken – selbst wenn das Roland seit ­letztem Jahr nicht mehr als Pornokino in Betrieb ist.

Die Stuhlreihen sind mittlerweile draussen, leer steht das Kino trotzdem nicht: Konzerte, Impro-Comedy und Kunstausstellungen finden regelmässig dort statt, wo einst geschnittene Pornofilme aus den USA gezeigt wurden. Doch seine Vergangenheit wird das Kino nicht los.

Auch nicht in der neusten Ausstellung mit dem Titel #candy_mysterio. Auf Einladung der Organisatorinnen Eva Kurz, Caroline Stirnemann und Zoë Stähli – die die Tochter von Sexfilmpionier und Roland-Betreiber Edi Stöckli ist – zeigen elf ­Künstlerinnen ihre Werke. Die beschäftigen sich nicht nur mit Lust und Sex, sondern auch mit den davon untrennbaren Themen Authentizität und Identität.

Eva Kurz, die die Schau im Roland auch kuratiert hat, fotografiert intime Momente in ihrem Umfeld, ohne dabei voyeuristisch zu werden. Die Fotografin Désirée Good, die sich schon lange mit dem Körper als kulturelle Inszenierung beschäftigt, stellt ihre Arbeit «I Want to Be Like Rey Mysterio» aus, in der sie die bolivianischen Lucha-Libre-Wrestlerinnen porträtierte.

Und Veronika Spierenburg zeigt, dass sich Lust und Sex überall verstecken: Für ihre Videoinstallation «Planets», die auf die alte Kinoleinwand projiziert wird, hat die Zürcherin die phallischen Gewächse in der Sukkulentensammlung gefilmt und die Bilder neu montiert, so dass die entstandenen Formen wie Planeten aussehen.

Kino Roland
Langstr. 111
Vernissage Fr 22.11., 18–22 Uhr
Bis Sonntag, 24.11.
Sa 23.11., 15–22 Uhr (Führung 17 Uhr)
So 24.11., 14–18 Uhr (Talk 16 Uhr, Konzert Hari & Lutz 18 Uhr)
www.kinoroland.ch

Erstellt: 20.11.2019, 18:44 Uhr

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