«Malen ist eine ziemlich doofe Beschäftigung»

Wenige Künstler sind so selbstironisch wie Olivier Mosset. Anlässlich seiner Schau im Haus Konstruktiv haben wir seine träfsten Aussagen zusammengetragen.

Seit den 60ern aktiv: Der Künstler Olivier Mosset.

Seit den 60ern aktiv: Der Künstler Olivier Mosset. Bild: Tom Haller

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Mosset über Werktitel:
– «Der erste Titel, den ich einem meiner Bilder gab, war ‹A Step Backwards›. Dahinter steckt die Vermutung, dass die monochromen Gemälde, die ich davor gemacht hatte, womöglich fortschrittlicher gewesen sein könnten. Dann gab es mal zwei Bilder, die ich ‹Second Harley› be­ziehungsweise ‹Juke› nannte, weil ich mit dem Geld, das sie mir einbringen sollten, eine Harley-Davidson und eine Jukebox kaufen wollte.»

Mosset Auf die Frage, ob er sich selbst als abstrakten, als Monochronisten oder gar als konkreten Künstler versteht:
– «Sicher nicht konkret im Zürcher Sinn (gemeint sind hier die Konkreten um Max Bill, Anm. d. Red.). Abgesehen davon, stimmt es aber, dass meine Bilder sehr konkret sind. Monochromismus ist eine Art Abstraktion. Ich sehe keinen grossen Unterschied zwischen dem Abstrakten und dem sogenannt Monochromen. Ob da ein Strich drauf ist oder nicht – wen juckts?»

Mosset über den Inhalt seiner Werke:
– «Ich bin nie wirklich glücklich mit dem, was ich da mache, und wenn ich ein Gemälde von mir anschaue, sehe ich darin Dinge, die andere nicht darin sehen.»

«Gold Star», 2008. Foto: Galerie Andrea Caratsch, St. Moritz

Mosset uf die Frage, ob seine Circle Paintings, mit denen er 1965 begann, eine politische Botschaft hatten:
– «Nicht wirklich. Ich malte halt das Gleiche immer und immer wieder, was damals ziemlich radikal war. Aber jeder hätte es tun können. In gewissem Sinne kritisierten diese Bilder den Markt und alles andere ringsum.»

Mosset auf die Frage, was ihn dazu bewegte, erst nach Paris, später nach New York und schliesslich nach Tucson, Arizona, zu ziehen:
– «In der Zeit, als ich in Neuenburg aufwuchs, war das ein kleiner Ort. Ich konnte mit keinem richtig über das sprechen, was mich interessierte. Also war mein erster Gedanke, nach Paris zu gehen. Nachdem ich eine Weile in Paris war, begannen die Leute, über New York zu sprechen. Ich hatte das Gefühl, das sei der Ort, wo die Dinge passierten, also machte es Sinn, nach New York zu gehen. Und wenn du dann eine Weile in New York gewesen bist, begreifst du, dass du gar nicht unbedingt dort sein musst. Es macht keinen grossen Unterschied.»

«Untitled», 1974. Foto: Galerie Andrea Caratsch, St. Moritz

Mosset auf die Frage, ob es auch in seinen Skulpturen um Oberfläche gehe:
– «Natürlich, sie sind dreidimensional, aber sie handeln von Oberfläche … Keine sehr originelle Idee.»

Mosset auf die Frage, ob die Malerei als Kunstform dem Untergang gewidmet sei:
– «Da mache ich mir keine Sorgen. Das Gerede über den Tod der Malerei dauert schon ewig. Malen ist eine ziemlich doofe Betätigung. Andererseits verdankt man ihr Werke von Giotto, Cézanne oder Pollock …»

Mosset auf die Frage, warum er immer so grosse Bilder male:
– «Ich denke, grosse Formate sind einfacher zu machen als kleine, weil sie eine Präsenz in sich selbst haben. Vor kleineren Gemälden gewinnt der Betrachter irgendwie die Oberhand. Das trifft auch auf die Farbe zu. Matisse sagte mal, dass 10 cm2 Blau nicht so blau sind wie 1 m2 Blau, oder so was in der Art. Und es stimmt. Die Grösse eines Gemäldes gibt der Farbe Qualität.» Mosset auf die Frage, warum er Gemäldeserien malt:
– «Ein Gemälde folgt immer auf ein anderes, so gesehen, gibts da zwangsläufig eine Verbindung. Wenn etwas als wertvoll gilt, nur, weil es einzigartig ist, dann will ich wohl gerade das Gegenteil damit erreichen.»

Haus Konstruktiv
Selnaustr. 25
Ab Donnerstag 30.5., Di–So 11–17 Uhr, Mi 11–20 Uhr, Auffahrt geöffnet (11–17 Uhr).
Bis Sonntag, 8.9.
Eintritt: 16 / 12 Franken, bis 18 Jahre: gratis
www.hauskonstruktiv.ch

Erstellt: 29.05.2019, 17:32 Uhr

Ausstellung

TUTU heisst die neuste Schau von Olivier Mosset (*1944, Bern), und man schmunzelt, weil man den bärtigen Biker jetzt nicht als Erstes mit einem Ballettröckchen zusammenbringt. Aber Mosset, der seit den 60ern im internationalen Kunstbusiness mittut und die Schweiz 1990 an der Venedig-Biennale vertrat, spielte schon immer gern mit unser aller Wahrnehmung. Neben einem knackigen Querschnitt durch sein Schaffen und einigen neuen Stücken stellt er jetzt übrigens Arbeiten aus Eis vor dem Museum auf (nachdem er schon vor Jahren mit einem Stück Gletschereis in Saas-Fee gearbeitet hatte und fasziniert davon war, was das Licht damit anstellte). Die halten natürlich nur ganz kurz – also hopp! Schnell hin! (psz)

Alle Zitate bis auf das letzte stammen aus dem Protokoll des Gesprächs zwischen Rein Wolfs und Olivier Mosset im Rahmen seiner Ausstellung in der Galerie Susanna Kulli im April 1999. Das letzte Zitat stammt aus einem Interview mit dem «Art in America»-Magazin vom Februar 2011.

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