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«Sand macht Lust, etwas zu formen»

Die Shedhalle wird zum riesigen Sandkasten. Mitinitiantin Mirjam Bayerdörfer erklärt, was das soll.

Paulina Szczesniak
Sändele mal anders: Sand und Besucher in der Shedhalle.
Sändele mal anders: Sand und Besucher in der Shedhalle.
Christoph Oeschger

Die neue Shedhallen-Saison beginnt mit 13 Kubikmetern Sand, die Sie herankarren lassen. Jeder ist eingeladen, vorbeizukommen und damit zu spielen. Was soll das?

Am Anfang steht eine Utopie: Ein Raum füllt sich mit etwas, das allen die Möglichkeit gibt, darauf zu reagieren – gestalterisch wie gedanklich. Sand ist ein Material, das jedem vertraut ist, er löst Erinnerungen aus und den Impuls, etwas damit zu machen. Das ist für eine Kunstinstitution ungewöhnlich. Meist wird man dort nicht aufgefordert, direkt auf etwas zu reagieren und körperlich tätig zu werden. Wir hatten Lust, möglichst viele verschiedene Leute bei uns zu begrüssen, nicht nur Kunstfans. Und uns mit einer Masse zu konfrontieren, die sich über zwei Monate permanent verformt. Und mit einem Material, das auch ein Störfaktor ist, man spricht ja nicht umsonst vom «Sand im Getriebe»; mal sehen, wie lang es dauert, bis es uns nervt, dass überall Sand klebt. All das spricht schon mal für eine interessante Ausgangssituation.

Es wird Leute geben, die finden, die Shedhalle sei ein Ort für die Kunst, und Sand habe nichts mit Kunst zu tun.

Doch - wenn man davon ausgeht, dass Kunst aus der Lust entsteht, etwas zu gestalten. Und Sand als eins der bildhauerischsten Materialien, das es gibt, ist das perfekte Mittel, diese Lust zu schüren. Zudem war die Shedhalle schon immer ein Ort, der Kunst nicht nur zeigt, sondern der auch fragt, was Kunst sein kann und sein soll. Ein Ort, der sich auf Experimente einlässt. Ausserdem: Wir werden auch professionelle Kunstschaffende einladen, etwas mit dem Sand zu machen.

Wie wird das mit dem Sand konkret laufen? Stehen Schaufeln und Förmchen bereit? Muss man barfuss rein?

Nein, man geht in Schuhen ans Werk, ein bisschen wie bei der Gartenarbeit. Der Sand ist frisch und sauber, man muss also nicht unbedingt ein «Dräckli-Outfit» anziehen. Karretten und grosse Schaufeln stehen bereit, alles andere, das man zum Formen braucht, bitte selbst mitbringen.

Wie im richtigen Leben auch. Es gibt keinen Anspruch, dass etwas, das man erschafft, für die Ewigkeit ist.

Mirjam Bayerdörfer

Was erhoffen Sie sich von der Aktion?

Einen Ort, der zwei Monate lang lebt und sich permanent verändert. Wo Überraschendes entsteht und wieder vergeht. An den Leute, anders als in eine gewöhnliche Kunstausstellung, vielleicht mehrmals wiederkommen – und gern auch ihre Kinder mitbringen.

Riecht ein wenig nach Joseph Beuys und dessen Aussage, jeder sei ein Künstler.

Kann sein. Die Aktion hat schon eine utopische Komponente. Zum Beispiel stellt sie die Frage, wie Leute miteinander umgehen. Vielleicht sind schon zwei, drei Leute dabei, etwas zu bauen, wenn ich dazu komme. Macht man dann etwas gemeinsam? Oder bleibt jeder bei seinem eigenen Förmchen? Es wird sicher interessante Begegnungen geben.

Warum eigentlich ausgerechnet Sand?

Weil er so eine Art Urmaterial ist – das klingt jetzt auch nach Beuys (lacht). Es braucht keine Vorkenntnisse, um ihn zu bearbeiten, und seine Tendenz, seine Form immer wieder aufzulösen, hat etwas reizvoll Widerspenstiges.

Was, wenn einer kommt und Farbe in den Sand giesst? Oder ihn eintütet und abtransportiert?

Ein Säckchen voll verschmerzen wir. Gerade kiloweise sollte man den Sand aber schon nicht abzügeln, wir wollen ihn nach der Aktion ja der Baufirma zur Weiternutzung zurückgeben. Was gestalterisch übers Formen hinausgeht, wird wohl spontan abgesprochen werden müssen. Die Idee ist ja, dass andere, die nach einem kommen, auch damit arbeiten können.

Man baut also was, und der Nächste kommt und formt es um oder machts gar kaputt.

Genau. Wie im richtigen Leben auch. Es gibt keinen Anspruch, dass etwas, das man erschafft, für die Ewigkeit ist.

Sa — 11 Uhr bis 18 Uhr Shedhalle Rote Fabrik, Seestr. 395 Am Eröffnungstag mit Essen & Getränken, Soundscapes von Fred Hystère & Na-ah. Der Sand bleibt bis 1.5. zugänglich, Di–Fr 14–18 Uhr, Sa / So 12–18 Uhr Eintritt: Kollektewww.shedhalle.ch

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