Wenn Gestaltung Einfluss auf die Gesellschaft nimmt

Design, das bedeutet schon lange nicht mehr nur schöne Lampen und unbequeme Stühle – das zeigt die Ausstellung «Social Design».

Laden und Stromlieferant: Der vom Designstudio Graft und Andreas Spiess emtworfene Solarkiosk.

Laden und Stromlieferant: Der vom Designstudio Graft und Andreas Spiess emtworfene Solarkiosk. Bild: Andreas Spiess/Solarkiosk AG

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Fast schon selbstkritisch fragt das Museum für Gestaltung: Kann Design die Gesellschaft verändern? In Zeiten von Kriegen, Katastrophen und Krisen eine berechtigte Frage. Man ertappt sich doch immer wieder dabei, wie man sich über belanglose Dinge aufregt – Stichwort «First World Problems» – oder sich mit den ausschliesslich schönen, und oft oberflächlichen, Seiten des Designs beschäftigt. Produktions­bedingungen oder Umwelteinflüsse gehen dabei immer wieder vergessen; gefeit davor, das Negative auszublenden, ist keiner.

Doch dass Design eben mehr als nur schön sein kann, beweisen die 25 Projekte, die das Museum in der Ausstellung «Social Design» vorstellt. Sie alle eint, dass sie – ganz dem Konzept von Social Design entsprechend – versuchen, Ungleichheiten im Hinblick auf Ressourcen, Zukunftschancen und Produktionsmittel aufzulösen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Komplex in der Theorie, konkret in der Praxis

Was komplex tönt, setzen Gestalter in der Praxis in Form von Hotelkonzepten oder Gärten, die Geflüchteten einen Arbeitsplatz garantieren, um. Oder in Form eines Solarkiosks, der Stromlieferant, Laden und Informationszentrum zugleich ist (s. Bild). Oder eines günstigen Webstuhls, der einfach zusammengebaut werden kann und so Webern eine Existenzgrundlage sichert.

Dass solche Lösungsansätze sich auch im grossen Stil durchführen lassen, hat vor etwa zwei Jahren Ikea gezeigt: Mit «Better Shelter» hat der schwedische Möbelriese einfach aufzubauende Häuser für Flüchtlinge entwickelt; zum Einsatz kommen die über 10 000 Zelthäuser heute weltweit, etwa im Irak oder in Syrien.

Sozial geht nicht ohne Einbezug des Publikums

Im «Toni» geht es nicht nur um Migration, sondern auch um Bildung, Umwelt, Arbeit oder den urbanen Raum. Die Projekte werden auf 25 kleinen Bühnen präsentiert, zu sehen sind Videos, Baupläne und Fotografien. Und weil sozial nicht ohne Einbezug des Publikums geht, können Besucher auf der Museumswebsite Fragen zum Thema stellen, Schweizer Social-Design-Projekte vorschlagen und im Museum Gesprächsrunden zuhören, etwa rund um nachhaltige Raumplanung.

Bis 3.2.2019
Ausführliches Rahmenprogramm siehe
www.museum-gestaltung.ch

(Züritipp)

Erstellt: 03.10.2018, 16:20 Uhr

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