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«Schönheit ist heute verpönt»

Der amerikanische Star-Fotograf Erik Madigan Heck inszeniert Mode wie ein Maler. Wer die Kleider trägt, interessiert ihn nicht. Ein Interview in sechs Stichworten.

Modefotografie ohne Sex: Die Stars der Bilder von Madigan Heck ist die Kleidung, nicht die Person, die sie trägt.
Modefotografie ohne Sex: Die Stars der Bilder von Madigan Heck ist die Kleidung, nicht die Person, die sie trägt.
Erik Madigan Heck

Erik Madigan Heck über ...

… seine Beziehung zur Kunst

Meine Mutter war Künstlerin, ich malte als Kind entsprechend viel und besuchte oft Museen. Heute stehen in meinem Büchergestell 300 Jahre Kunstgeschichte, auch deshalb gibt es so viele historische Referenzen in meinen Fotografien.

… Farbe in der Fotografie

Ich fotografierte zehn Jahre lang nur schwarz-weiss, weil ich an die traditionelle Fotografie glaubte. Noch heute gefällt mir der Grossteil der Farbfotografie nicht. Aber ich liebe Farben, und weil ich ein schlechter Maler bin, versuche ich, in meinen Fotos Farbe wie in Gemälden einzusetzen: Sie sollen wie gemalt aussehen. Meine Fotografien sind in einem ersten Schritt wie Leinwände, auf die ich am Computer bis zu 100 Farbschichten auftrage. Beim Anschauen meiner Arbeiten soll man nicht sicher sein, ob es sich um eine Fotografie oder um ein Gemälde handelt.

… Mode

Die Stoffe und die Kleidung selbst faszinieren mich am meisten, deshalb stehen immer sie im Zentrum meiner Bilder. Ich baue meine Bilder von den Kleidungsstücken ausgehend, wer sie trägt, interessiert mich nicht. Aus diesem Grund foto­grafiere ich die Models oft von hinten oder zeige nur Teile ihres Gesichts.

… sexualisierte Frauenkörper

Vieles in der Mode ist schon so sexuell aufgeladen, dass ich versuche, Frauen auf eine nicht sexuelle Art darzustellen. Sicher war es immer Teil der Modefotografie, den weiblichen Körper hypersexuell zu inszenieren. Bei Designs, in denen Frauen sich sexy fühlen sollen, macht das aus kommerzieller Sicht auch Sinn, aber mich interessiert das, ehrlich gesagt, nicht wirklich. Auch in der Kunst schaue ich mir lieber Gerhard-Richter-Bilder an als explizite Darstellungen von Sex. Das hat nichts mit einer konservativen Haltung zu tun. Ich finde auch, dass solche Arbeiten ihre Berechtigung haben, nur gibt es einfach noch mehr als unseren Körper. Ich verstehe mich deshalb als Künstler, der in der Modebranche arbeitet, und nicht als Mode­fotografen, denn der Begriff ist stark geprägt von Typen wie Terry Richardson, und damit will ich nichts zu tun haben.

… Schönheit

Ich wollte schon immer Kunst machen, die vor allem schön ist; Werke, die beim Anschauen eine emotionale Reaktion auslösen. Doch Schönheit ist heute ein fast verpönter Begriff, vor allem im Kunstbereich. Dabei ist Schönheit alles andere als banal, sondern – philosophisch betrachtet – auch sehr politisch. Ich bin überzeugt, dass keine Gesellschaft ohne Schönheit funktioniert.

… Druck

Je mehr Leute dich kennen, desto mehr erwarten sie von dir die Arbeit, die dich bekannt gemacht hat. Es ist schwierig, diesen Ansprüchen gerecht zu werden und trotzdem nicht stehen zu bleiben. Ich möchte nicht wie Peter Lindbergh sein, dessen Fotos ich zwar sehr schön finde, der aber seit 30 Jahren dasselbe macht. Warum würdest du das wollen, wenn du dich auch weiterentwickeln und etwas Neues ausprobieren kannst?

Christophe Guye Galerie Dufourstrasse 31, www.christopheguye.com Ab Freitag Bis 25.8. Mo–Fr 10-18 Uhr, Sa 11–16 Uhr

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