Sie hatte einen Tick

Zum 100. Geburtstag der österreichischen Kultmalerin Maria Lassnig gibts bisher ungesehene Werke zu sehen.

Pastelltöne haben bei Lassnig schnell mal etwas Verstörendes: Das macht sie so interessant.

Pastelltöne haben bei Lassnig schnell mal etwas Verstörendes: Das macht sie so interessant. Bild: Maria Lassnig Foundation

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Sie muss sich geärgert haben, als sie starb. Denn selbst mit über 90 formte Maria Lassnig (1919–2014) noch an ihrem Lebenswerk herum, und dass der Tod nach all der langen, mühseligen Arbeit einfach einen Schlussstrich unter alles setzen würde, empfand sie als «ungerechten Abschluss».

Doch was soll man machen. Immerhin hat sie einige träfe Zitate zurückgelassen und ein üppiges, in politisch wie gesellschaftlich interessanten Jahrzehnten entstandenes Œuvre. Losgelegt hatte sie schon als ganz kleiner Knopf, als ihre Mutter, die grössere Probleme hatte als ihr uneheliches Kind, sie mit Stift und Papier in eine Ecke setzte.

Durch den Krieg kam Maria unbeschadet, lebte anschliessend, wie man das als Avantgardist damals machte, eine Weile in Paris und New York, kam aber immer wieder heim nach Österreich und brachte mal die abstrakte Malerei – das Informel, wie man das dort nennt – mit und mal die Trickfilmkunst.

Voller Emotionen: Zeichnungen von Maria Lassnig. Foto: Maria Lassnig Foundation

Ihre Spezialität (oder, wie sie es nannte: ihr Tick) war aber: der Körper. Meist ihr eigener, den sie auf alle erdenkliche Arten porträtierte, oft nackt, unter Verwendung so ziemlich aller Farben, die ihre Palette hergab, teils auch sehr exzentrisch als Knödel, als Maschine oder als Cyborg.

Halt so, wie sie sich jeweils fühlte, denn der Körper war für sie in erster Linie Empfindungsbarometer und erst in zweiter Materie. Zweimal brachte sie das an die Venedig-Biennale: 1980 im Doppelpack mit Valie Export und 2013, um den Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk abzuholen.

Nun widmet ihr Hauser & Wirth zum Hundertsten eine knackige kleine Schau mit teils noch nie gezeigten Aquarellen und Zeichnungen (ausgesucht von ihrem langjährigen guten Freund Peter Pakesch, der heute die nach ihrem Tod gegründete Maria-Lassnig-Stiftung führt).

Und wer auf den Geschmack gekommen ist, dem sei die grosse Lassnig-Retrospektive in der Albertina in Wien ans Herz gelegt (bis 1. Dez.). Wien ist schön im Herbst. Reisen Sie hin!

Hauser & Wirth
Limmatstr. 270
Bis 21.12.
Mo–Fr 11–18, Sa 11–17 Uhr
Zeitgleich mit M. Lassnig wird eine Schau eröffnet mit Werken des 82-jährigen japanischen Kultkünstlers Takesada Matsutani – ebenfalls sehr sehenswert!
www.hauserwirth.com

Erstellt: 09.10.2019, 17:23 Uhr

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