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Skandal, Skandal!

Gott, was hat Zwingli die Kirche aufgerüttelt! Eine Schau untersucht glaubenstechnische Knacknüsse.

Regula Gwalther-Zwingli und Tochter, gemalt von Hans Asper, 1549.
Regula Gwalther-Zwingli und Tochter, gemalt von Hans Asper, 1549.

Die Dame im Bild? Ist Regula, die Tochter von Huldrych Zwingli. 25 war sie, als das Doppelporträt von ihr und ihrem Töchterchen gemalt wurde; da war sie schon seit 8 Jahren verheiratet, und ihr Vater schon seit 18 Jahren tot. Vor allem aber war sie das Ergebnis einer skandalösen Beziehung: Zwingli, der 1519 als Gemeindepriester ans Zürcher Grossmünster gekommen war, wäre nämlich ans Zölibat gebunden gewesen – eigentlich. Tatsächlich lebte er aber mit einer gewissen Anna Reinhard zusammen und hatte erst noch vor, sie zu heiraten, was ihm der Bischof jedoch ausdrücklich verbot. Zwingli pfiff darauf, ehelichte seine Anna trotzdem – und zeugte eine Tochter mit ihr: eben Regula.

Was uns heute wenig spektakulär erscheint, war damals ein Riesenaufreger. Und sollte die Kirche nachhaltig verändern: Seit der Reformation durch Zwingli, Calvin und Luther war es plötzlich okay für Kirchenmänner, eine Familie zu gründen. Und nicht nur das. Auch die Bedeutung von Taufe und Kommunion wurde beispielsweise neu definiert. Dabei waren sich die drei erwähnten Herren allerdings keineswegs immer einig, und Luther und Zwingli zerstritten sich ­irgendwann sogar heillos.

Genau um solche Zankäpfel geht es in der Ausstellung «Gott und die Bilder: Streitfragen der Reformation». Illustriert werden sie anhand von ausgesuchten Exponaten aus der Sammlung des Landesmuseums, aber auch durch Leihgaben aus dem In- und Ausland – wie beispielsweise das Porträt Regula Zwinglis, das aus der Zentralbibliothek stammt. Man schaut sich die Objekte an (und die Animationsfilmchen, die die verschiedenen Streitfragen auch für junge Besucher verständlich machen) und staunt, worüber man sich damals in die Haare geriet. Lehrreich, überraschend, teils kurios.

Landesmuseum Museumstr. 2 www.nationalmuseum.ch Ab Freitag Bis 15.4. Di–So 10–17 Uhr, Do 10–19 Uhr Eintritt 10 / 8 Franken

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