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Spass und Furor

Der mexikanische Künstler Carlos Amorales hat alle Wände des Cabaret Voltaire bemalt – mit unanständigen Sprüchen. Er fordert: «Learn To Fuck Yourself.»

Es ist ein Kunstjahr, und die Performance boomt. Das macht Spass, wenn man in Münster wie Jesus übers Wasser schreitet, und frustriert, wenn unter dem Glasboden des deutschen Pavillons in Venedig tote Hose herrscht, weil da mal eine Performance war. Diese lebt vom Liveact und von der Kadenz der Auftritte.

Das Cabaret Voltaire lässt deshalb jeden Dienstagabend unter dem Motto «Fun & Fury» junge Künstlerinnen, Musiker, Komponisten und Tänzerinnen das Haus bespielen. Denn wenn auch Beuys und sein Kojote oder Marina Abramovi und ihr tiefer Blick in die Augen der New Yorker Geschichte schrieben, so dürfen die Dadaisten die Geburtsstunde der modernen Performance für sich in Anspruch nehmen. Sie pfiffen auf Krieg, Konvention und Religion. Das Einzige, was die Dadaisten ernst nahmen, war: nichts ernst zu nehmen. «Blased mir id Schueh» oder Neudeutsch: «Fuck yourself.» Zum Auftakt der neuen Saison hat der mexikanische Künstler Carlos Amorales unter selbigem Vorzeichen das Café an der Spiegelgasse mit obszönen Abortsprüchen, gekrönten Madonnen, mittelalterlichen Adligen, Heiligen und Vogelmenschen auf Gouachen tapeziert.

Ob Amorales auf der von Kerim Seiler gebauten Bühne in der Krypta die Verluderung der Sprache oder die im Mittelalter stecken gebliebene Unkultiviertheit des Menschen performativ umsetzt oder, ganz nach Dada-Art, sich allem verweigert, kann nicht schlüssig beantwortet werden. Fakt ist: Er wirds mit Spass und Furor tun.

Vernissage: Fr 18 Uhr Performances Sa 19.30 – So 4 Uhr, Di–Fr 14–18 Uhr, Sa/So 12–18 Uhr. Jeden Dienstag 20 Uhr; Bis 19.12.

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