Verstörend faszinierend

Was verstört, fasziniert auch. Das weiss auch der georgische Künstler Andro Wekua – und erschafft aussergewöhnliche Bildwelten.

Beunruhigend: Die Installation «A Neon Shadow» im Castello Di Rivoli, 2011.

Beunruhigend: Die Installation «A Neon Shadow» im Castello Di Rivoli, 2011. Bild: Andro Wekua

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Kunst als Liebestöter: Das ist echt was Neues. So zu haben beim Georgier Andro Wekua, der jetzt in Zürich seine bisher grösste Einzelausstellung zeigt. Ihr Titel: «All Is Fair in Dreams and War» (In Träumen und im Krieg ist alles erlaubt), wofür der englischen Redewendung «All Is Fair in Love and War» mal eben die Liebe amputiert wurde. Eiskalt.

Damit wendet der 41-Jährige wieder den typischen Wekua-Trick an, nämlich, uns Material zur Verfügung zu stellen, in das wir uns bitte assoziativ verbeissen sollen. Am effizientesten gelingt ihm das mit seinen lebensgrossen Menschenfiguren aus Wachs, die mal auf riesigen Wölfen reiten, mal über technoid aufgemotzte Extremitäten verfügen. Irgendwo zwischen Märchenbuch und Sci-Fi-Horror pendelnd, erzählen solche Installationen Geschichten, die man am liebsten ganz schnell wieder vergessen möchte – und die man sich gerade ­deshalb eben doch gern zu Gemüte führt.

Mit anderen Worten: Wekua zapft vorzugsweise jenen Erfahrungsschatz an, der ganz hinten im Unterbewusstsein lagert. Verständlich bei einem, der mit 13 den Vater in einer Anti-Sowjet-Demo verloren hat und mit 15 vor dem georgisch-abchasischen Krieg fliehen musste. Wekuas Kunst als posttraumatisch abzutun, wäre freilich zu simpel. Eher ist sie auf fast schon trotzige Art unergründlich, oder, wie er es selbst formuliert: «gegen alles gerichtet, was zum System der Kunst gehört».

Kunsthalle Zürich
Limmatstr. 270
Vernissage: Fr 18 Uhr
Bis 5.8.
Di–Fr 11–18 Uhr, Do 11–20 Uhr, Sa / So 10–17 Uhr
Eintritt 12 / 8 Franken
www.kunsthallezurich.ch

(Züritipp)

Erstellt: 07.06.2018, 09:22 Uhr

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