Viel Schimmer

Zürich war mal eine Seidenhochburg. Die Geschichte dieser vergangenen Ära wird nun aufgerollt.

Exotisch und bunt wurde Seide einst beworben: Werbeplakat aus den 1930er-Jahren.

Exotisch und bunt wurde Seide einst beworben: Werbeplakat aus den 1930er-Jahren.

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Die Seidenstrasse, sie führt bis nach Zürich. Oder genauer: führte. Denn im frühen 20. Jahrhundert war nicht nur St. Gallen mit seinen Spinnereien Textilhochburg, sondern eben auch die Limmatstadt. Sie gehörte gar zu einem der Seidenzentren Europas, und das Geschäft mit dem schimmernden Stoff war zeitweise der wichtigste Wirtschaftszweig.

Schon im Mittelalter war Zürich Teil des globalen Seidenmarkts; im 19. Jahrhundert gehörte die Stadt zusammen mit Lyon, Krefeld und Como zu den grössten Produzenten. Um die Jahrhundertwende wurden in Zürich über 50 Millionen Meter Seide hergestellt. Zum Vergleich: Der Erdumfang beträgt ca. 40 Millionen Meter.

Von diesen glorreichen Zeiten und dem Einfluss von Venedig bis China und Japan zeugen die Exponate in der Schau «Seidenglanz – 400 Jahre Seide in Zürich», die vor allem aus den Beständen der ZB zehrt. Zu sehen gibt es zum Beispiel das älteste Geschäftsbuch eines Seidenunternehmens, Lehrmittel aus Seidenwebschulen, Foto­alben und natürlich auch den kostbaren Stoff selbst, sowohl in Entwurfsbüchern als auch in Form fertig verarbeiteter Stoffe. Diese wurden oft in die schicken Pariser oder New Yorker Modeateliers verkauft. Eine Zürcher Spezialität: schwarzer Taft.

Stoffmuster und handschriftliche Notizen: ein Musterbuch.

Das Ende der Seidenweltmacht Zürich deutete sich in den 1930er-Jahren mit der Weltwirtschaftskrise an; spätestens aber in den 70ern mit dem Aufkommen des Massenmodemarkts verlor die Stadt ihre Bedeutung. Doch Spuren von damals sind noch heute zu finden: In der Roten Fabrik wurde einst Seide gewoben. Und in der Gegend des Kaufhauses Jelmoli standen früher zahlreiche Seidenhöfe. Davon übrig geblieben ist nur ein Strassenname: Seidengasse.

Zentralbibliothek
Zähringerplatz 6
Ab Freitag, bis 27.10.
Mo–Fr 13–17 Uhr, Sa 13–16 Uhr Eintritt frei
www.zb.uzh.ch

(Züritipp)

Erstellt: 10.06.2018, 22:40 Uhr

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