Schöner fälschen

Sehen heisst nicht immer verstehen. Eine Gruppenausstellung nimmt sich der Sinnestäuschung an – in all ihren Formen.

Florian Bühlers Gemälde (!) einer DiY-Batterie.

Florian Bühlers Gemälde (!) einer DiY-Batterie. Bild: Florian Bühler

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Meister Lampe hats gut. Will er sich vor dem Feind verstecken, wechselt er im Winter sein Kleid von braun auf weiss. Josiane Imhasly, die sechste Preisträgerin des Förderprogramms *Kurator in Rapperswil (ja, das Sternchen gehört dazu), schaut mit der Ausstellung «Tarnen, täuschen, imitieren» von der Natur ab und zeigt sowohl in der Alten Fabrik als auch im Kunst(Zeug)Haus eine Auswahl von gewitzten Camouflagen.

Der französische Ausdruck bedeutet übrigens: jemandem Rauch ins Gesicht blasen, also die Sicht verhindern und irreführen. Das Wort hat – wie alles ­Raffinierte, das aus Paris kommt – in der Kunstgeschichte und in der Kosmetik Niederschlag ­gefunden. Dieses und noch mehr ist in Rapperswil zu erfahren. Oder wussten Sie beispielsweise, dass Künstler im Ersten Weltkrieg Tarnmuster für Bunker und Panzer entwarfen? Denise Bertschi hat hundert Jahre später im Unterengadin ebensolche fotografiert und aus den Prints eine stilisierte Zeltstadt gebaut. Ein Performer im ähnlich gemusterten Dress erscheint, und man ahnt: Frau Helvetia, getarnt im Mäntelchen der Neutralität, windet sich durchs militarisierte Weltgeschehen.

Keck subversiv präsentieren sich auch die ­Reliefs von Peter Baracchi, dessen geometrische Kompositionen in Tat und Wahrheit bürokratisch verordnete Übermalungen von Graffiti sind. Und Gianluca Trifilo stellt den Ausstellungsbesuchern eine Vir­tuality-Brille zur Verfügung, die direkt in den Zürcher Untergrund führt.

Andere Arbeiten zielen auf Camouflage am Körper und auf Schönheitskult: Monochrome Gemälde aus Lidschattenglimmer (Nicole Hassler) oder Teenager, die vor versteckter Kamera für ein Fotoshooting posieren (Eva O’Leary), rühren an der weiblichen Seele. Und falls Sie am Ende nicht mehr genau wissen, wo Sie sich gerade befinden, orientieren Sie sich getrost an Nils Nova: Irreführung garantiert.

Doppelter Sonnenaufgang von Wiedemann/Mettler, ­Florian Bühlers Gemälde (!) einer DiY-Batterie, Installation inkl. Performance von Denise Bertschi.

Vernissage: Fr ab 19 Uhr in der Alten Fabrik, ab 19.45 Uhr Einführung im Kunst(Zeug)Haus. Ausstellung an beiden Orten bis 6.5. (Zueritipp)

Erstellt: 24.03.2018, 09:21 Uhr

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