Die charmante Autodidaktin

Vom Internet auf die Konzertbühne: Die junge Französin Camille Bertault stellt im Moods ihr neues Album «Pas de géant» vor.

Sie ändert die Jazzstandards so, wie es ihr passt: Camille Bertault.

Sie ändert die Jazzstandards so, wie es ihr passt: Camille Bertault. Bild: Paul Rousteau

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Sie ist ein Kind ihrer Zeit. Vor drei Jahren erst stellte Camille Bertault ein Video ins Netz, heute wird sie als aufsteigender Stern der französischen Jazzszene gefeiert. Klar: Was die 32-Jährige damals aus einer Laune heraus postete, ist bis heute ein Knüller. Mit schüchternem Lächeln beginnt sie John Coltranes Klassiker «Giant Steps» zu säuseln. Man will schon weiterzappen, doch dann doppelt sie das im Hintergrund hörbare Saxsolo mit perfektem Scatgesang und haut kein einziges Mal daneben.

Mit diesem Video wurde sie bekannt: Bertaults Version von «Giant Steps». Video: YouTube/Camille Bertault Officielle

Scat gehört seit den stimmakrobatischen Höhenflügen seiner Ikonen Ella Fitzgerald und Sarah Vaughan zur Grundausbildung jeder Jazzsängerin. Camille Bertault aber hat klassisches Klavier studiert, später noch Schauspiel. Ihr Gesang also kommt sozusagen von Herzen. Und darin liegt wohl mit ein Grund für ihren kometenhaften Aufstieg. Bertault singt zwar technisch nahezu perfekt, hat sich bei der autodidaktischen Ausbildung ihrer Stimme aber deren Beseeltheit bewahrt.

Ersang sich mit ihrem Debütalbum ein Publikum

Knapp ein Jahr nach ihrem viel angeklickten Video legte sie ein erstes Album vor: «En vie». Damit ersang sie sich ein Publikum – und die Aufmerksamkeit von Marktriese Sony. Auf diesem Label erschien kürzlich der Zweitling mit dem Titel ihres «Hits» – freilich en français: «Pas de géant». Darauf sind Jazzstandards zu hören, die Bertault teils mit eigenen Texten versieht.

Ihr Zweitling erschien bei Sony: «Comment de dire adieu» aus dem Album «Pas de géant». Video: YouTube/Camille Bertault Officielle

Doch genauso wie Jazz liebt die Pariserin die Chansontradition ihrer Heimat. Wenn die Websensation nun also leibhaftig die Konzertbühnen betritt, verblüfft sie mit einem vielfältig anklingenden Programm. Ans Klavier setzt sich die studierte Pianistin (noch) nicht, sie lässt sich aber von einem klassisch besetzten Pianotrio begleiten.

Sa — 20.30 Uhr
Moods
Schiffbaustr. 6
Eintritt 40 Franken
www.moods.club

(Züritipp)

Erstellt: 06.10.2018, 08:19 Uhr

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