«Es klang lächerlich gut»

Graham Nash schrieb mit Crosby, Stills & Nash Musikgeschichte. Seine Karriere geht weiter. Ein Gespräch über Timbre, tiefsinnige Texte und Trump.

«Songs for Beginners» hiess sein erstes Soloalbum. Es erschien 1971.

«Songs for Beginners» hiess sein erstes Soloalbum. Es erschien 1971. Bild: Amy Grantham

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Sie haben eine Stimme, die Millionen berührt. Was haben Sie selber für ein Verhältnis zu ihr?
Ich bin nicht der Meinung, dass ich eine besonders tolle Stimme habe. Ich bin wohl ein ganz passabler Harmoniesänger. Und glücklicherweise lässt meine Stimmkraft nicht nach. Ich singe heute mit 76 besser als je zuvor. Und dabei mache ich kaum etwas dafür.

Ich habe bei den Hollies gelernt, wie man Melodien schreibt, die man nicht mehr vergisst.Graham Nash


Vor fünfzig Jahren gründeten Sie in den USA das Trio Crosby, Stills & Nash. Dabei waren Sie eigentlich bereits in einer Band.
Richtig. Und ich habe den Hollies viel zu verdanken. Aber das Zusammentreffen mit David Crosby und Stephen Stills war Schicksal: Vom ersten Moment an bildeten unsere drei Stimmen eine gemeinsame. Es klang sofort lächerlich gut. Mir war klar, dass ich bei The Hollies aussteigen und nach Amerika ziehen musste. Und das tat ich.

Video: Youtube/Ary Terong

In Interviews heben Sie immer wieder das Genie Ihrer alten Weggefährten hervor. Was kann Graham Nash besonders gut?
Ich bin nicht so talentiert wie Stephen Stills oder Joni Mitchell. Aber ich will mich nicht beklagen. Ich habe bei den Hollies gelernt, wie man Melodien schreibt, die man nicht mehr vergisst. Bei den Texten hat das länger gedauert. Die waren erst ziemlich nichtssagend. Als ich sah, wie das Stephen, David, Joni und Neil Young machten, änderte ich meine Herangehensweise. Und ich wurde besser.

Wie erreichten Sie das?
Ich liess mir mehr Zeit, versuchte fortan Zeilen mit Sinn zu schreiben.

Also haben Sie ab dann monatelang an Textzeilen wie denen von «Military Madness», einem Ihrer Antikriegssongs, geschraubt?
Nein, es war mehr eine Einstellungssache, ein In-sich-Hineinhorchen. Den Song hab ich in höchstens einer Stunde geschrieben – genau wie «Chicago», «Our House» oder «Just A Song Before I Go». In solchen Momenten ist man einfach nur glücklich. Und froh, Amerikaner geworden zu sein.

Wieso?
Weil die Hälfte aller Texte von Crosby, Stills & Nash in anderen Ländern zensiert worden wäre.

Video: Youtube/AeroCrespo

Bietet Trump eigentlich gutes Songmaterial?
Es ist sehr schwierig, über so etwas zu schreiben. Um meine Gefühle darüber ausdrücken zu können, muss ich den Schlüssel finden. Das ist mir in Form eines Songs noch nicht geglückt. Bislang habe ich das Ganze nur in Gemälden verarbeitet.

Was sieht man darauf?
Wahnsinn und Chaos. Ich hab keine ­Ahnung davon, was ich da mache. Aber ich mache es. ­Genauso wie Trump.

Ed Sheeran ist ein Troubadour, genau wie wir früher.Graham Nash


Auf Ihrem letzten Album «This Path Tonight» von 2016 lässt einen Ihre Stimme näher an Sie selbst heran. Was ist passiert?
Immens viel. Ich habe mich nach 38 Jahren von meiner Frau Susan getrennt und bin von Hawaii nach New York gezogen. Dort habe ich wieder zu mir selbst und mit Amy mein neues Glück gefunden.

Ganz andere Frage: Was halten Sie eigentlich von Ed Sheeran?
Er ist ein Troubadour, genau wie wir früher. Ich kenne seine Musik kaum, aber ich würde ihn gerne mal live erleben.

Gibt es eine Chance auf eine Wiedervereinigung von Crosby, Stills & Nash?
Nein, dieses Kapitel ist abgeschlossen. Ich hatte seit mehr als zwei Jahren keinen Kontakt mit David Crosby.

Do – 20 Uhr
Volkshaus
Stauffacherstr. 60
Eintritt 75/85 Franken
www.volkshaus.ch

(Züritipp)

Erstellt: 11.07.2018, 14:26 Uhr

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