Heiter bis traurig

Die Frontfrau der Deutschpop-Band Die Heiterkeit hält nichts von Songs über das Verlassensein. Traurig singt sie trotzdem.

Stella Sommer (Zweite von links) mit ihren neusten Band-Gspänli.

Stella Sommer (Zweite von links) mit ihren neusten Band-Gspänli. Bild: Malte Spindler

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Stimmung von Die Heiterkeit entsprach nie ihrem Bandnamen. Nur schon der Gesang von Stella Sommer ist oft schleppend und melancholisch. Im Video zu «Jeder Tag ist ein kleines Jahrhundert» wirkt die Sängerin so in sich gekehrt, dass die Zuschauerin erschrickt, als Sommer plötzlich direkt und wach in die Kamera blickt.

Solche Irritationen gelingen Die Heiterkeit immer wieder. Denn die Melodien sind zwar harmonisch und lieblich, doch die deutschen Texte lassen einen zusammenzucken. Zum Beispiel dann, wenn beim eigentlich beschwingten Lied «Pop & Tod» Sommer zwischen ganz vielen «Wir sind uns so nah»-Strophen plötzlich von einem Sarg singt.

«Jeder Tag ist ein kleines Jahrhundert» von Die Heiterkeit. Video: YouTube/Die Heiterkeit

2010 gründete Stella Sommer die Band mit zwei Freundinnen. Bereits Ende Jahr wurde das Hamburger Trio neben Azealia Banks und Alabama Shakes in die «Hot für 2011»-Liste des «Musikexpress» aufgenommen. Zwischen 2012 und 2016 erschienen drei Alben – allesamt waren Kritikerlieblinge. Sie klangen unaufgeregt, düster und minimalistisch. Immer dominierte Sommers rauchige, tiefe Stimme, die oft mit jener von Nico verglichen wurde.

Mittlerweile ist Sommer das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Sie findet ihre Songs durchaus auch feministisch. 90 Prozent aller Popsongs bestehen daraus, dass jemand das Opfer sei, so die Deutsche zu Laut.de. «Wurde verlassen, ist jetzt unglücklich. Oder: Wurde verlassen, ist jetzt drüber weg.»

Dieses Passive nerve sie. «Ich möchte das mal umdrehen, eine aktive Haltung einnehmen, gerade auch als Frau.» Auch auf der kürzlich erschienenen Platte «Was passiert ist» finden sich keine schnulzigen oder weinerlichen Zeilen. Sondern treffende und gesellschaftskritische. Den Reiz des Geheimnisvollen beschreibt Sommer zum Beispiel so: «Ich sehe dich am liebsten als Bild auf Instagram.»

Di 19.3. — 21 Uhr
Bogen F
Viaduktstr. 97
Eintritt 25 Franken
Support: Hans Unstern
www.bogenf.ch

(Züritipp)

Erstellt: 13.03.2019, 14:13 Uhr

Artikel zum Thema

Wo Schlagersänger auf Rapper treffen

Seit über 20 Jahren trifft sich am M4Music die Schweizer Szene. Doch auch ausländische Acts treten an den zwei Abenden auf. Die Highlights. Mehr...

Haben Sie ein schweizerdeutsches Lieblingswort? «Birebitzeli»

Herbert Grönemeyer spielt am Sonntag in Zürich. Der deutsche Pop-Star über die Erotik des Schweizerdeutschen und sein Text-Chaos. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Stellen Sie um auf Frühlingszeit

Tingler Einfach abheben

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Nationalfeiertag: Ein Teilnehmer des St. Patrick's Festival posiert mit einer Polizistin in Dublin, Irland. (17. März 2019)
(Bild: Charles McQuillan/Getty Images) Mehr...