«Ich bin Teil der brasilianischen Kultur»

Gilberto Gil ist der wichtigste Botschafter Brasiliens. Dieses Jahr bringt er mit Gal Costa und Nando Reis zwei Ikonen mit – und übt sich in Bescheidenheit.

Nando Reis, Gal Costa und Gilberto Gil haben sich gefunden.

Nando Reis, Gal Costa und Gilberto Gil haben sich gefunden.

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Gilberto Gil, wie war der Karneval dieses Jahr?
Ich liebe die Tradition des Karnevals. Es sind jedes Mal Tage voller Fröhlichkeit und Intensität – so auch in diesem Jahr.

Sie touren im Jahresrhythmus mit wechselnder Begleitung und wechselndem Programm. Wie legen Sie fest, mit wem Sie auf Tournee gehen?
Das ergibt sich immer von ganz alleine. Vor zwei Jahren war ich mit Caetano Veloso unterwegs, weil jemand nachgerechnet hatte, dass uns inzwischen eine 50-jährige Karriere verbindet. Die jetzige Konzertreihe mit Nando Reis und Gal Costa geht auf einen Event in Brasília zurück. Ein Journalist regte an, ein gemeinsames Konzert zum 100. Todestag des Politikers Ulysses Guimarães zu spielen. Wir liessen uns darauf ein – und ­fanden Gefallen an dieser Dreierkonstellation.

Nando Reis ist in Brasilien sehr beliebt. Hier­zulande kennen ihn allerdings nicht sehr viele. Wie würden Sie ihn dem Publikum vorstellen?
Nando ist ein hoch talentierter Komponist und Gitarrist aus São Paulo. Er hat die Musik unserer Generation genau studiert, deshalb funktioniert das Zusammenspiel zwischen uns so ­hervorragend. Vorstellen muss man ihn nicht. Das erledigen seine wunderbaren Songs.

Haben Sie einen Lieblingssong von ihm?
Ich mag viele seiner Songs. Wenn ich mich für einen entscheiden müsste, dann wäre es «Dois Rios».

Gal Costa begleitet Sie schon seit Jahrzehnten immer wieder. In welchen Momenten kann sie Sie noch überraschen?
Sie überrascht mich tatsächlich jedes Mal, wenn ich mit ihr auf der Bühne stehe. Ihre Stimme ist einfach einzigartig.

Derzeit führen die Sängerinnen Anitta und Jojo Maronttinni sowie die Dragqueen Pabllo eine neue Generation von brasilianischen Künstlern an. Sie stehen für mehr Selbstbestimmung, Gleichstellung und sexuelle Befreiung ein. Haben Sie einen Bezug zu ihnen?
Aber ja! Ich fühle mich diesen jungen Künstlern eng verbunden. Sie haben den Drang, etwas zu verändern, und haben bereits viel erreicht.

In Brasilien kann jeder Dutzende, wahrscheinlich sogar Hunderte von Liedern mitsingen. Darunter befinden sich auch etliche von Ihnen. Was ist das für ein Gefühl?
Ich bin Teil dieser Kultur. Auch ich kenne all diese Songs. Ich bin ein gewöhnlicher Mensch, der seiner Freude an der Musik Ausdruck verleiht – wie alle anderen Brasilianer auch. Ein gewöhnlicher Mensch mit einer Gitarre.

Erinnern Sie sich noch, wann Sie Musik zum ersten Mal aktiv wahrgenommen haben?
Ich habe interessiert zugehört und versucht, herauszufinden, was sie genau machen. Ich wusste es sofort als Form der Kommunikation ein­zuordnen. Ich verstand, dass sie versuchten, uns etwas zu sagen – auf sehr organische, natürliche Art.

2016 hatten Sie mit schweren Nierenproblemen zu kämpfen. Wie geht es Ihnen aktuell?
Ich fühle mich ausgesprochen gut. Die Behandlungen haben angeschlagen.

Was planen Sie als Nächstes?
Einiges! Bald wird nach langer Zeit wieder ein neues Album mit brandneuen Songs von mir erscheinen. Ausserdem schreibe ich gemeinsam mit dem italienischen Komponisten Aldo Brizzi eine Oper.

Donnerstag, 20 Uhr, Volkshaus.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 14.03.2018, 15:05 Uhr

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