«Ich fühle mich nicht als Teil der Musikindustrie»

FKA Twigs kommt mit ihrem neuen Album «Magdalene» nach Zürich. Wir haben mit ihr gesprochen.

Der aktuelle Longplayer der Musikerin heisst «Magdalene»: FKA Twigs.

Der aktuelle Longplayer der Musikerin heisst «Magdalene»: FKA Twigs. Bild: zvg

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«Magdalene» ist ein extrem persönliches Album. Was ist die Verbindung zu Maria Magdalena, der biblischen Figur, nach der Sie es benannten?
Mich interessierte dieser Archetyp Frau, eine jungfräuliche Hure oder heilige Prostituierte. Eine Frau, die sowohl rein und gut ist als auch sündig und mysteriös. Die moderne Gesellschaft drängt uns tendenziell eine der beiden Rollen auf. Ich finde das gefährlich für die weibliche Psyche, wir sind schliesslich immer beides.

Sind wir das?
Ja, Mutter Natur schafft Leben, sie zerstört es aber auch, darin liegt unsere Magie. Am stärksten sind wir, wenn wir diese Dualität in uns vereinen.

Die Themen Zerstörung und Erneuerung sind auf «Magdalene» zentral. Neben einem Beziehungsende hatten Sie in den fünf Jahren seit dem Debütalbum «LP1» auch eine Gebärmutteroperation zu verarbeiten. Sie sagen, dass Sie Ihre Weiblichkeit damals neu erfinden mussten.
Der Uterus ist aus offensichtlichen Gründen eine enorme Kraftquelle, aber darüber sprechen wir kaum. Ich konnte damals nicht begreifen, wie sehr mich dieser Eingriff aus der Bahn geworfen hatte. Das Tanzen war in der Hinsicht sehr heilend für mich. Ist es generell und in eigentlich jeder Form.

Aus dem neuen Album «Magdalene»: «Cellophane». Video: YouTube/FKA Twigs

Für «Magdalene» entwickelten Sie ein extrem anspruchsvolles Performance-Konzept, Sie lernten dafür extra Pole Dance und die chinesische Kampfkunst Wushu. Kommt für Sie mit der körperlichen die mentale Stärke zurück?
Ja, wenn ich mich körperlich im Griff habe, erdet mich das auch emotional. An einem normalen Tag bin ich je drei Stunden im Pole Dance und im Martial Arts Studio. Danach dehne ich bis in die Nacht hinein vor dem Fernseher. Ich fühle mich aber auch einfach freier, je besser ich mein Handwerk beherrsche.

Im Kurzfilm «Practice» erklären Sie, dass Sie die kulturelle DNA verändern wollen. Glauben Sie, dass Ihnen das gelingt respektive schon gelungen ist?
Ich glaube, das ist es, ja. Was ich spüre, erreicht die Leute. Über meine Worte und Bewegungen verstehen sie offenbar, dass es ihnen genauso geht wie mir. Und so bildet man doch Gemeinschaft, oder?

Twigs will die kulturelle DNA verändern: der Kurzfilm «Practice» von FKA Twigs. Video: YouTube/FKA Twigs

Sie schaffen Verbindungen in einer Zeit, in der alle Welt entwurzelt scheint. Sehen Sie sich als Visionärin?
Ich weiss nicht. Wir müssen doch alle zu­hören, wenn uns das Universum versucht etwas zu sagen. Wer den Omen nicht folgt, bringt sich in ein Schlamassel!

Einfacher gesagt als getan! Wo finden Sie Halt, wenn Ihnen die Orientierung fehlt?
Wenn ich mich kreativ verloren fühle, schaue ich in meine Kindheit zurück. Ich glaube, da liegt alles, worüber ich je schreiben muss.

Wie stehen Sie der Musikindustrie gegenüber?
Ich fühle mich nicht als Teil von ihr.

Inwiefern?
Das Geld treibt mich nicht an. Mir geht es darum, dass ich meine Vision teilen kann. Ich habe das Glück, von Leuten umgeben zu sein, die mich dabei unterstützen. Am Ende kannst du entscheiden, was du möchtest – auch bei der Karriere. Wenn sich etwas gut anfühlt, geh der Sache nach. Wenn nicht, lass es.

Do 28.11. — 20 Uhr
X-tra
Limmatstr. 118
Eintritt 68 Franken
www.x-tra.ch

Erstellt: 27.11.2019, 15:56 Uhr

FKA Twigs

Die 31-Jährige schrieb als Teenagerin erste Songs. Mit ihrer Debüt-EP «EP1» sicherte sich die Londonerin die Liebe der Kritiker. So schrieb Pitchfork: «Trip-Hop for a new Time», während andere Medien die Musik mit jener von Grimes und James Blake verglichen. Jetzt ist das zweite Album «Magdalene» erschienen.

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