«Ich reflektiere mein Tun und die Szene ständig»

Lukas Hess hat mit «Miteinander Musik» ein stadtbekanntes Label gegründet und damit die Zürcher Szene geprägt. Auf diese blickt er heute aber sehr kritisch.

Will nicht «dr geil Siech» sein, wenn er im Club auflegt: Lukas Hess alias Luke Redford.

Will nicht «dr geil Siech» sein, wenn er im Club auflegt: Lukas Hess alias Luke Redford.

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«Je länger du es machst, desto unglamouröser wird das DJ-Leben», sagt Lukas Hess gleich zu Beginn des Gesprächs. «Am Anfang bist du der Held, weil alle deine Freunde gratis in den Club kommen, aber irgendwann ziehen die Leute weiter, haben Familie – doch du bist immer noch in den Clubs.»

Hess, der als Luke Redford eine eklektische Mischung aus House, Techno und Soul auflegt, sagt das nicht in einer alkoholschwangeren Nacht; es ist weder Koketterie noch Verbitterung. Doch der 30-Jährige hadert mit Zürichs Wattewelt, in der sich niemand etwas traut, und den Entwicklungen in der Szene.

Vom Musiklabel zum Kreativzentrum

Vor zehn Jahren begann er seine DJ-Karriere mit regelmässigen Auftritten im Kaufleuten – «auf die Sets von damals bin ich nicht stolz, aber es war trotzdem eine wichtige Zeit» – und gründete 2012 gemeinsam mit Freunden das Musiklabel Miteinander Musik. Heute sei es eher ein Partylabel und Kreativzentrum, erzählt Hess auf der Bürodachterrasse des Fintech-Start-ups, für das er arbeitet. Das gut 20-köpfige Kollektiv betrieb etwa ein ­Restaurant oder organisierte mehrmals ein Minifestival in einem Schloss im Burgund. Doch sein Hauptprojekt ist heute ­Kyrill & Redford, bei dem er gemeinsam mit Karl Kyrill eigene Musik produziert.

Macht mit Karl Kyrill oder alleine Musik: «Zu einer Zeit in Gardelegen...» von Luke Redford. Quelle: Soundcloud/Luke Redford

Lukas Hess hat Germanistik und Philosophie studiert. Sein kritischer Geist ist noch immer spürbar: Er spricht über den politischen Hintergrund der Technomusik und dass dieser in Zürich oft vergessen wird, über «hedonistische Festivals, die Vergnügungsparks für Erwachsene auf Drogen sind», über DJ-Sets als Lifestyle-Produkte und die männlichen Egoenergien in der Szene.

«Manchmal frage ich mich, wie sehr ich dahinterstehen kann. Und ich bin nicht sicher, ob das, was ich mache, besser ist als das, was ich kritisiere.»Lukas Hess alias Luke Redford, DJ

Ihm sei klar, dass eine Party keine komplexe Wissenschaft sei, trotzdem sei er immer auf der Suche nach Tiefe. «Ich reflektiere mein Tun und die Szene ständig. Manchmal frage ich mich, wie sehr ich dahinterstehen kann. Und ich bin nicht sicher, ob das, was ich mache, besser ist als das, was ich kritisiere.» Also aufhören?

Er habe sich das oft überlegt, besonders nachdem er dieses Jahr 30 geworden sei. «Es ist halt auch ein Anker. Und es gibt immer wieder diese Momente, in denen in einem Club ein Mikrokosmos und eine ganz spezielle Energie entstehen. Das alles fasziniert mich zu stark, als dass ich aussteigen könnte.»

Sa — 22 Uhr
Kauz
Ausstellungsstr. 21
Eintritt 25 Franken
Der EISBÆR-Rave dauert 34 Stunden, Luke Redford spielt am Sonntagabend
www.kauzig.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.10.2018, 08:19 Uhr

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