«Menschen sind auch nur Tiere»

Taminos Grossvater war ein berühmter ägyptischer Sänger. Jetzt will der 22-Jährige selbst bekannt werden.

Er taucht tief in die Gefühlswelt ab: Musiker Tamino.

Er taucht tief in die Gefühlswelt ab: Musiker Tamino.

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Wer Ihr Debüt «Amir» gehört hat, weiss: Es sind intensive 51 Minuten. Wie ist es, so ein Album zu schreiben?
Ich mag Songs, die ihre Existenzberechtigung einfordern und aus einer Notwendigkeit heraus ­entstehen. Wenn ich mit einem intensiven Gefühl zu schreiben beginne, ist das ein gutes Zeichen.

Ihr Grossvater Moharam Fouad war in den 60er-Jahren ein gefeierter Musiker und Schauspieler in Ägypten. Sie sind mit ihren Eltern und Geschwistern in Belgien aufgewachsen. Was war Ihr Zugang zur Musik?
Meine Mutter spielte eine wichtige Rolle, sie hat eine grosse musikalische Begabung, machte sie aber nie zum Beruf. Als ich klein war, hat sie viel ­gesungen und Klavier gespielt, sie zeigte mir klassische Musik, arabische, Jazz, Oper, die Beatles.

«Nicht jeder gibt sich der Musik hin.»Tamino

Auf «Amir» hört man Elemente all dieser Einflüsse.
Ja, meine Musik entsteht, indem ich nicht zu viel nachdenke und sie einfach mache. Wenn ich etwas fühle, bin ich Fan. Vielleicht geht es mir sogar nur ums Gefühl. Ich bin auch nicht der Typ, der Musik im Hintergrund laufen hat, ich will mich hinsetzen und Musik als Kunst erleben.

Fühlt man sich als Künstler, der ein bisschen von allem ist, aber zu keinem Genre so richtig gehört, manchmal auch verloren?
Nein, ich fühle mich sehr frei. Und ich will trotzdem wissen, wo die Dinge herkommen und was ihre Geschichte ist. Aber wenn ich mir aktuelle ­Musik anhöre, geht es mir wirklich nicht um Genres. Wir leben nicht mehr in dieser Zeit.

Seine ägyptischen Wurzeln spielen eine grosse Rolle: «Tummy» aus Taminos neuem Album «Amir». Video: YouTube/Tamino

Man sagt der Spotify-Generation gern nach,sie habe ein Aufmerksamkeitsproblem. Ist da etwas Wahres dran?
Mir fällt das in meinem Umfeld schon auch auf. Gleichzeitig sehe ich eine Gegenbewegung und nicht nur hinsichtlich Musik. Wir gehen in Museen, lesen, sind wachsam und saugen alles auf. Ausserdem bin ich nicht so sicher, ob es nicht auch in den 60ern Leute gab, die sich eine Bob-Dylan-Platte kauften, um sie dann einfach im Hintergrund laufen zu lassen. Nicht jeder gibt sich der Musik so hin.

Apropos Hingabe: Überträgt sich die Intensität des Albums auf ein grosses Livepublikum?
Das hängt weniger von der Menge ab als davon, ob die Leute offen sind, sich hinzugeben. Am Ende sind wir Menschen halt auch nur Tiere, wir kopieren einander. Wenn du jemanden neben dir siehst, der Verletzlichkeit zulässt, fällt es dir leichter, dich ebenfalls zu öffnen.

Mi — 20 Uhr
Exil
Hardstr. 245
Eintritt 33 Franken
www.exil.cl

(Züritipp)

Erstellt: 07.11.2018, 14:15 Uhr

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