«Persönlichkeit wiegt mehr»

Franz Ferdinand haben mit ihrem Sound die Indie-Szene der Nullerjahre beflügelt. Bandleader Alex Kapranos sagt, weshalb er sich trotzdem gegen den Indie-Stempel sträubt.

Alex Kapranos (Mitte) mit frischer Frisur und neuen Bandmitgliedern.

Alex Kapranos (Mitte) mit frischer Frisur und neuen Bandmitgliedern.

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Franz Ferdinand hat zwei neue Mitglieder, das ist quasi eine neue Band. Macht Sie dieser Neuanfang nervös?
Es fühlt sich wirklich nach einer neuen Dekade an. Das ist sehr aufregend, aber im positiven Sinn. Wir haben unsere alten Muster komplett aufgebrochen und ganz neue Wege gefunden, Musik zu machen.

Sie haben für viele Indie-Fans den Soundtrack der Nullerjahre geschrieben. Was können Franz Ferdinand 2018 sein?
Oh, manche andere Bands versauen es so richtig, oder? Wir sahen uns in erster Linie immer als Liveband, und das wollen wir auch heute wieder sein. Als Indie-Band hingegen haben wir uns eigentlich nie gesehen.

Sondern?
Einen Namen für unsere Musik haben wir bis heute nicht gefunden, und das bereue ich aus den letzten 15 Jahren vielleicht am meisten.

Was ärgert Sie daran?
Wir haben es immer anderen überlassen, und bei jedem Stempel, den wir kriegten, dachte ich: «Fuck, das sind wir nicht!» Wir sind nicht Indie oder Post-Punk, ganz sicher nicht Brit-Pop wie ein deutscher Journalist mal meinte. Und bei Rockbands denke ich an Typen in zu engen Jeans und mit lächerlichen Frisuren – sagt der Mann mit den blondierten Haaren.

Naht da etwa eine Midlife-Crisis?
Nein, es geht auch hier mehr darum, mit alten Mustern zu brechen. Repetition kann sich schnell nach Stillstand anfühlen.

Das Indie-Etikett bleibt trotzdem hartnäckig haften. Nicht ganz unbegründet, oder?
Wir haben ein paar Bands beeinflusst, die nach uns kamen und viel mehr Indie waren, als wir es je sein wollten. Mit diesen Bands wurden wir assoziiert, aber ausgesucht haben wir uns das nicht.

Worum geht es Ihrer Meinung nach bei Musik?
Um Emotionen, die spezifischen Gefühle, die Musik in dir auslöst. Technik, Genres und all das sind am Ende lediglich Möglichkeiten, wie man dieses Ziel erreichen kann.

Wie leidenschaftlich sind Sie selbst noch Musiker?
Ich liebe es! Vor der Band hatte ich Jobs im Callcenter und beim Metzger, wo ich täglich Hühnchen ausnehmen musste. Das hier macht sehr viel mehr Spass. Ich weiss es wirklich sehr zu schätzen.

Was glauben Sie, wie lange noch?
In der Hinsicht war die Zusammenarbeit mit Sparks fürs FFS-Album unheimlich inspirierend. Ron Mael ist mit seinen über 70 Jahren ja einfach ein fragiler Mann, aber seine Energie, was die musikalische Ebene angeht, die ist intensiv. Sehr viel intensiver als die mancher Leute, die ich kannte, als ich 19 war. Persönlichkeit und Charakter wiegen da eben mehr als die Frage, wie lange du schon auf diesem Planeten bist.

Mit «Take Me Out» lieferten Franz Ferdinand 2004 ihren ersten Hit, der noch heute Indie-Partys beschallt. Nach dem Ausstieg von Gitarrist Nick McCarthy 2016 läutet das Album «Always Ascending» die neue, synthielastigere Franz-Ferdinand-Dekade ein.

So — 2000
Halle 622
Therese-Giehse-Str. 10
www. halle.ch
Eintritt 77/62 Franken
Support: Crimer

(Züritipp)

Erstellt: 11.03.2018, 09:12 Uhr

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