«So etwas tut weh»

Die Amerikanerin Sophie Auster ist Musikerin, Model und Schauspielerin. Die 32-Jährige spricht mit uns über ihre Karriere.

Siri Hustvedt und Paul Auster sind ihre Eltern: Sophie Auster schreibt lieber Songs.

Siri Hustvedt und Paul Auster sind ihre Eltern: Sophie Auster schreibt lieber Songs.

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Sophie Auster, Sie waren gerade mit Bryan Ferry auf Tour. Was haben Sie erlebt?
Viel Unerwartetes!

Inwiefern?
Man hört viele Horrorgeschichten, wenn man mit grossen Namen auf Tour geht. Von Feindseligkeiten, weil niemand den Star leiden kann. Oder dass das Publikum den Support Act von der Bühne buht. Aber die Crew ging untereinander und auch mit mir wahnsinnig respektvoll um. Das Publikum war ebenfalls offen. Ich hätte ja nicht gedacht, dass Bryan Ferry und ich so gut zusammenpassen würden; unser Label hatte bei der Planung einen guten Riecher.

Ich wollte die Leute zum Tanzen bringen. Ich glaube, das ist mir gelungen.Sophie Auster

«Next Time» war vor einem Jahr Ihr BMG-Debüt, vorher hatten Sie jahrelang unabhängig Musik veröffentlicht. Was erhofften Sie sich vom Major-Label-Deal?
Ich hoffte auf Unterstützung fürs Album, und ich habe sicher auch nach Wertschätzung gesucht. Die Umstellung war aber nicht ganz einfach, ich musste meine Musik bis anhin ja nie verhandeln oder absegnen lassen. Heute muss ich für meine Ideen einstehen, gleichzeitig Feedback einfliessen lassen. Da eine Balance zu finden, ist wichtig.

Vermissen Sie die künstlerische Unabhängigkeit?
Unabhängig zu sein, bringt ganz eigene Herausforderungen mit sich. Meine Musik war damals sehr roh. Jetzt verbringe ich extrem viel Zeit im Studio, um viele verschiedene Leute zufriedenzustellen, aber das ist auch ein interessanter Prozess. Ausserdem wollte ich ja, dass meine Musik mehr Fleisch am Knochen hat.

Wie zeigt sich das?
Bei der neuen EP «History Happens at Night» wollte ich etwa das Gefühl rüberbringen, wenn man von einer Klippe springt und dann von etwas davongetragen wird. Ich wollte die Leute zum Tanzen bringen. Ich glaube, das ist mir gelungen.

Das klingt nach einer Abwende von Crooning und Singer-Songwriter-Folk.
Die EP reflektiert, wie mich das Leben beflügelte, seit mein letztes Album erschienen ist.

Feurig und Tanzbar: Der Song «Mexico» von Sophie Auster. Video: YouTube/Sophie Auster

«Next Time» entstand aus einer schwierigen Beziehung heraus. Sie erklärten damals, der Titel stehe für den Entschluss, es beim nächsten Mal besser zu machen. Inzwischen sind Sie verheiratet. Die Frage drängt sich auf: Kannten Sie Ihren Ehemann schon beim Albumabschluss?
Nein, damals war ich noch mit meinem Ex zusammen. Ich will nicht zu weit ausholen, aber die Situation war ziemlich verknorzt. Das Album war mein Weg, mir die Kontrolle zurückzuholen, die mir in dieser persönlichen Beziehung so sehr abhandengekommen war. «Next Time» ist ein ziemlich feministisches Album.

Ist Ihnen diese Einordnung wichtig?
Ich finde es wichtig, für mich einzustehen. Wenn nicht mit meiner Musik, womit denn sonst? Ich schreibe aber nicht mit dem Gedanken, Statements zu generieren. Gerade als Künstlerin musst du einfach tun, was du für richtig hältst. In der Kunst hat alles Platz. Und wir brauchen alles – die Liebeslieder genauso wie die Kampfparolen.

Sie arbeiten auch hin und wieder als Model und Schauspielerin. Fühlen Sie sich als Musikerin oft auf Ihr Aussehen reduziert?
Lassen Sie es mich so sagen: Als ich versuchte, in der Musikwelt Fuss zu fassen, entpuppten sich viele meiner Meetings als Dates. Ich dachte, es gehe darum, über meine Arbeit zu sprechen, aber die Männer wollten mich einfach ausführen. Und eine Konzertkritik endete einmal mit dem Satz: «Immerhin ist sie hübsch.»

O Gott.
Ja, so etwas tut natürlich weh. Heute arbeite ich zum Glück mit einer Managerin und einer Agentin. Ich habe überhaupt viele Frauen in meinem Team und stehe auch oft mit Frauen auf der Bühne.

Eine bewusste Wahl nach diesen Erlebnissen?
Meine Erfahrungen haben sicher dazu beigetragen, dass ich lieber mit Frauen arbeite. Ich fühle mich einfach wohler und sicherer. Aber es gibt auch sehr viel wunderbare Männer in der Branche.

Sie will keine Statements schreiben: Sophie Auster.

Wie definieren Sie Erfolg?
Mein Traum wäre es, einen Punkt zu erreichen, an dem die Leute mich nicht mehr infrage stellen oder Angst haben, dass meine Musik nicht genügend Leute erreicht. Es wäre aber auch schön, wenn es mehr Fördergelder für künstlerische Projekte gäbe. Aktuell müssen wir viele Leute um einen Gefallen bitten, dass alles aufgeht.

Sie haben berühmte Eltern. Hören Sie öfter, Sie müssten sich ja sowieso keine Sorgen machen?
Wahrscheinlich muss ich mir auch wirklich nicht ernsthaft Sorgen machen. Nichtsdestotrotz bleibt die Musik ein hartes Business. Mein Erspartes ist aktuell aufgebraucht, all mein Geld fliesst in die Musik.

Was lieben Sie am Musikmachen so sehr?
Zum einen gibt es mir einen Kick, wenn aus etwas, das ich in meiner Wohnung mit Gitarre und Computer eingespielt habe, ein Song entsteht. Beim Performen auf der Bühne wiederum spüre ich die absolute Freiheit, da kann ich alles loslassen. Das ist wie Therapie, gleichzeitig ein riesiges High.

Di 26.11. — 20 Uhr
Papiersaal
Kalanderplatz 6
Eintritt 30 Franken
www.papiersaal.ch

Erstellt: 20.11.2019, 14:28 Uhr

Sophie Auster (32)

Sie ist die Tochter des US-Autorenpaars Paul Auster und Siri Hustvedt. Im März ist Ihr Album «Next Time» beim Major-Label BMG/Sony erschienen. Mit der Mini-EP «History Happens At Night» tourt die Sängerin aktuell durch Europa.

Faber & Co.

Auch diese Musikerinnen und Musiker haben berühmte Eltern.

Faber
Besonders am Anfang seiner Karriere wurde der Zürcher nur ungern auf seinen Vater, den erfolgreichen italienischen Cantautore Pippo Pollina, angesprochen. Und auch seine Schwester, die Teil des Duos Steiner & Madlaina ist, mag nicht gross über die Verwandtschaft plaudern.

Eliot Sumner
Auch Stings Tochter Eliot Sumner wollte erst nicht mit ihrem Promi-Papa in Verbindung gebracht werden – und entschied sich deshalb für einen in die Irre führenden Künstlernamen. Als I Blame Coco schaffte sie es 2010 in die Charts. Mittlerweile veröffentlicht die 29-Jährige unter dem Pseudonym Vaal Musik.

The Strokes
Gleich zwei Mitglieder dieser Nullerjahre-Band haben berühmte Eltern: Sänger Julian Casablancas Vater John hat Elite Model Management gegründet, seine Mutter ist das dänische Model Jeanette Christiansen. Und der Papa von Gitarrist Albert Hammond Jr. hat «It Never Rains in Southern California» gesungen.

Enrique Iglesias
Julio Iglesias war Torwart bei Real Madrid. Als Sänger verkaufte der Spanier über 300 Millionen Tonträger und wurde fast 400-mal mit Gold und Platin ausgezeichnet. Ganz so erfolgreich ist sein Sohn, der Schmusesänger Enrique Iglesias, noch nicht.

Miley Cyrus
Miley Cyrus wurde in den Nullerjahren mit der Disney-Fernsehserie «Hannah Montana» bekannt. Zum Cast gehörte auch ihr Vater, der Sänger und Schauspieler Billy Ray Cyrus. Übrigens: Superstar Dolly Parton ist Miley Cyrus’ Gotti.

Norah Jones
Norah Jones ist die Tochter des Sitar-Virtuosen Ravi Shankar. In Interviews erzählte die mehrfache Grammy-Preisträgerin jedoch, dass ihr Vater in ihrer Kindheit kaum eine Rolle gespielt habe.

Robin Thicke
Trotz aller Sexismuskritik war «Blurred Lines» 2013 ein internationaler Superhit. Geschrieben und produziert haben ihn Pharrell Williams und Robin Thicke. Letzterer ist der Sohn des mittlerweile verstorbenen kanadischen Singer-Songwriters, Moderators und Schauspielers («How I Met Your Mother») Alan Thicke.

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