Stadtleben-Pop

New Yorker Strassenlärm und das Mitgefühl von Fremden haben das englische Duo Oh Wonder zu einem leichten, elektronischen Pop-Album inspiriert.

Oh Wonder wollten eigentlich im Bogen F auftreten. Doch die Nachfrage war zu gross.

Oh Wonder wollten eigentlich im Bogen F auftreten. Doch die Nachfrage war zu gross.

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Manchmal kann auch aus einem Unglück etwas Gutes entstehen: Vor zwei Jahren stolperte Josephine Vander Gucht, die Sängerin des Duos Oh Wonder, über eine Abschrankung, schlug sich einen Schneidezahn aus und brach sich die Nase. Neulich traf sie in der Londoner U-Bahn auf einen Reisenden mit blutüberströmtem Kopf, dem Ähnliches passiert war. «Ich sprach ihm Mut zu, da brach es aus einem anderen Fahrgast heraus: ‹Ich habe mir auch mal die Nase gebrochen!› Im Nu parlierte der halbe Wagen über zurückliegende Unfälle und Verletzungen», erzählte sie der BBC.

Vander Gucht war derart angetan vom Mitgefühl im Nahverkehr, dass sie einen Song darüber schrieb. «High on Humans» war die erste Single des aktuellen Albums «Ultralife», das ebenfalls von dieser Stimmung geprägt ist. Es ist eine Ode an menschliche Beziehungen, oft mit einer versteckten Aufforderung zum Tanz, und auch die Balladen haben einen hoffnungsfrohen Grundton.

«Ultralife» ist das erste «richtige» Album von Vander Gucht und Anthony West. 2014 begannen Oh Wonder, ein Jahr lang jeden Monat einen Song auf Soundcloud zu veröffentlichen, die sie dann auf dem Debüt «Oh Wonder» zusammenfassten. Nun haben die beiden Londoner einen Plattenvertrag bei einem Label, mieteten sich für einen Monat in einer Airbnb-Wohnung in New York ein und komponierten dort «Ultralife» – mit Strassenlärm und lauten Nachbarn als ständige Begleiter. Auch später, bei den Aufnahmen in London, war es lärmig: «Ständig fuhr draussen ein Bus vorbei. Man nimmt sie vielleicht nicht bewusst wahr, aber auf fast jedem Song sind irgendwo Busgeräusche zu hören.»

Das Set-up ist immer noch primär elektronisch, doch Oh Wonder haben ihre Definition von Pop verfeinert, das Piano reist zwischendurch in die Siebziger, klimpert verspielt in den Tag hinaus. Obwohl sie alles in Eigenregie und zu zweit eingespielt haben, verfügen Stücke wie «Lifetimes» oder «Heart Strings» über Weite und einen offenen Blick Richtung Horizont. Das setzen Oh Wonder auch live in der Duo-Besetzung um: Vander Gucht hinter den Keyboards und West an der elektrischen Gitarre spielen ihre kleinen Feste der Zwischenmenschlichkeit mit grossem Herzen.

Mi, 20 Uhr, X-Tra
Limmatstr. 118
www.x-tra.ch
Eintritt 48 Franken

Erstellt: 07.12.2017, 21:44 Uhr

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