Wasser tropft, Donner grollt

Warme Songs aus kalten Geräten kitzeln: Die Australierin Carla dal Forno ist eine der Entdeckungen des Jahres 2016.

Australierin mit englischem Label in Berlin: Carla dal Forno.

Australierin mit englischem Label in Berlin: Carla dal Forno.

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Carla dal Forno wurde in einem Kaff ausserhalb von Melbourne, Australien, geboren. Ihre erste Single hiess «Fast Moving Cars», und sie besang darin ihr Faible für schnelle Rennautos. Man könnte es sich gut so ausmalen: Irgendwann haben schnittige Flitzer dal Forno in die Grossstadt gebracht, mit der Welt verdrahtet, mit dem heiss lodernden Versprechen ihrer Jugend kurzgeschlossen.

Doch die Sängerin sieht nicht wie eine Frau aus, die sich von Autos beeindrucken lässt. Und «Fast Moving Cars» ist ein Lied der Langsamkeit, eine Schaukel verloren pendelnder Sehnsüchte. Im Video trottet Carla dal Forno barfuss durch eine australische Landschaft, um irgendwann in einem Fluss baden zu gehen. Man muss aufmerksam zuhören, will man verstehen, was Carla dal Forno in diesem Song genau singt. Ihre Stimme geht auf im Sog eines mystifizierenden Halles, unten drunter poltert ein Bass, oben drüber schlingert ein Synth.

Auf dal Fornos ganzem Album «You Know What It’s Like» wird es nicht mehr poppiger. Die grossen Refrains fehlen. Das Album ist eine halbe Stunde kurz, die Musik spärlich instrumentiert. Carla dal Forno braucht fast nichts, um Eindruck zu machen. Letztes Jahr war die Australierin eine der spannendsten Entdeckungen. Einst spielte sie in düster getakteten Bands wie Tarcar, nun ist ihr Debüt auf einem kleinen, englischen, nach Berlin übersiedelten Label namens Blackest ever Black erschienen.

In Berlin hat sich die selbst erklärte Dilettantin auch das Musizieren am Computer beigebracht. Ein Jahr brauchte sie, bis sie die Software im Griff hatte. Warum sollte sie sich hetzen lassen? Ihre Kunst verweigert sich dem rasenden Speed der Moderne, es schlummert eine intime Schläfrigkeit in ihr. Mit ihrer stoischen und doch aufsässigen Haltung meditiert Carla dal Forno über sehr persönliche Befindlichkeiten. Wasser tropft, Donner grollt. Diese Musik kommt von einem Ort weit, weit weg, wo sich alles irgendwie warm anfühlt. Wo das Leben gut zu einem ist wie ein Bad im Fluss.

Mittwoch, 20.30 Uhr, Bar 3000.

(Zueritipp)

Erstellt: 07.03.2017, 11:24 Uhr

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