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Bowie war entzückt

Seu Jorge, das Multitalent aus Rio, singt seine David-Bowie-Adaptionen in Zürich. Doch er kann auch ganz anders. Ein Blick in seine Diskografie.

Nur echt mit der Pelé-dos-Santos-Verkleidung: Seu Jorge singt Bowie im Film «The Life Aquatic».
Nur echt mit der Pelé-dos-Santos-Verkleidung: Seu Jorge singt Bowie im Film «The Life Aquatic».

The Life Aquatic Studio Sessions (2005)

Starten wir mit der Rolle, die Seu Jorge in Zürich spielen wird: Pelé dos Santos ist so was wie die Ein-Mann-Bordkapelle der Belafonte, des ?Forschungsschiffs, mit dem sich die Crew um Steve Zissou auf die so irrwitzige wie verhängnisvolle Jagd nach dem Jaguarhai macht. Im Gepäck hat der Barde nur seine akustische Gitarre, in seinem Repertoire befinden sich ausschliesslich die Songs von David Bowie, die dos Santos in portugiesischen Versionen immer wieder anstimmt, ob es nun passt oder nicht. Und natürlich: Eine solche Idee kann nur dem Regisseur und Bowie-Fan Wes Anderson einfallen, der diese in seinem Film «The Life Aquatic with Steve Zissou» wunderbar umgesetzt hat.

2004 war das, und Seu Jorge, der den Bordmusiker mimte, war hierzulande vor allem bekannt als Darsteller im Ghettofilm «Cidade de Deus». In seinen Bowie-Adaptionen, darunter Klassiker wie «Life on Mars» oder «Starman», schlug Jorge einen Ton an, der zart ans Gitarrenspiel des Bossanova-Erfinders João Gilberto erinnert. Erst nach dem Erfolg des Films wurden Jorges Bowie-Songs auf dem Album «The Life Aquatic Studio Sessions» versammelt. Adaptionen, die Jorge nun wieder hervorzaubert, wenn er sich auf der Bühne als Pelé dos Santos verkleidet – und an den verstorbenen Urheber Bowie erinnert. Dieser war zeitlebens entzückt von der Schönheit, die seine Songs in Seu Jorges Spielart ausstrahlen. (bsa)

Seu Jorge&Almaz (2010)

Wenn man brasilianische Musik spielt, muss man aufpassen, dass man nicht zum Klischee verkommt. Genauso, wenn man Songs von Michael Jackson, Roy Ayers oder Kraftwerk covert. Das kann eigentlich nur schiefgehen. Doch Seu Jorge, der mit Samba gross und berühmt geworden ist, sich aber ebenso im Bossa, Funk, und Pop zu Hause fühlt, schafft auch das. Gemeinsam mit der vierköpfigen Band Almaz nahm er 2010 ein wunderbar entschleunigtes Gemisch aus Coverversionen («Rock with You», «Everybody Loves the Sun­shine», «The Model») und Eigenkompositionen auf. Jacksons Stück etwa hat in seiner Version etwas von einer dubbigen Mondscheinsonate, Ayers’ Stück vertont das verträumte Blinzeln in die Sonne vielleicht sogar noch besser als das Original, seine Reverenz an die Düsseldorfer Techno-Pioniere hallt geheimnisvoll und minimalistisch. Dazu singt Jorge, dieser Vater der Coolness, mit brummliger Hotelbarstimme und scheinbar aller Zeit der Welt. (ads)

Músicas para Churrasco, Vol. 1 (2011)

Zurück zu den Klischees: Was tun Brasilianer gern? Sonnenbaden, Bier trinken und Fleisch auf dem Grill zum Verzehr herrichten. Letzterer ­Tätigkeit hat Seu Jorge, mittlerweile 46, bereits zwei Alben gewidmet. ­Darauf zu finden: locker groovende Songs mit Disco-Beats und Funk-Grooves, satter Bläserunterstützung und Refrains zum Mitsingen, die einen bewussten Kontrapunkt zur verworrenen politischen Lage in Brasilien setzen. Man muss ihm bloss die Rolle des tollen Hechts verzeihen: In «Amiga da Minha Mulher» singt er über eine Freundin seiner Frau, die heftig mit ihm flirtet. Wäre sie nicht so attraktiv, wäre alles kein Problem, meint Jorge und macht daraus einen tanzbaren Hit. (ads)

Sonntag, 20 Uhr, Kaufleuten

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