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Brooklyns Unruhe-Rapper

Zuletzt bedeutete Rap vor allem Eskapismus. Mit dem 22-jährigen Rapper 6ix9ine aus Brooklyn kehren Irritation und Energie zurück.

Irritierend irrelevante Texte: Trotzdem erlangte das Dabütalbum von 6ix9ine Goldstatus.
Irritierend irrelevante Texte: Trotzdem erlangte das Dabütalbum von 6ix9ine Goldstatus.

Der grüne Trainingsanzug mit der Aufschrift «Mexico» ist noch das Normalste an Daniel Hernandez. Seine Haare leuchten in allen Farben des Regenbogens, seine Zähne sind unter einem bunten Aufsatz verborgen, auf Stirn und Körper prangt überall die Zahl 69. Der 22-jährige Brooklyner Rapper, Künstlername Tekashi69 oder 6ix9ine, sorgt für optische Irritation.

Akustisch vermischt Hernandez die Scharfzügigkeit von Onyx mit der Energie von DMX und der Ästhetik des Trap. Seine Tracks stiften Unruhe. Statt des wattebauschigen Eskapismus, den in den letzten Monaten viele der sogenannten Cloudrapper propagiert haben, stachelt 6ix9ine unentwegt die Stimmung an. Während Hip-Hop-Künstler heute ihre Verse mit Autotune verschleiern und vor sich hin murmeln, bringt er die Agitation, die Aggression, die Energie zurück. Seine Worte klingen schneidend, kratzen, fauchend. Seine Stücke packen einen am Kragen und schütteln einen durch.

Anspruch auf den Hip-Hop-Thron

Und das, obwohl sie seltsam verzogen daherkommen. Der Beat seines grossen Hits «Gummo», der mittlerweile über 220 Millionen Views auf Youtube generiert hat, klingt äusserst nebulös. Der Bass klopft dumpf, die Synthies biegen sich zu einer taumelnden Melodie, alles wirkt unwirklich – auch die Szenerien in seinen Videos, in denen ihn stets Dutzende aus seiner Scumgang umringen, Kampfhunde hecheln, Plastiktüten voller Gras und Pistolen geschwenkt werden.

Dabei betont 6ix9ine stets seine Authentizität. In Interviews gibt sich der Sohn einer Mexikanerin und eines Puerto Ricaners von Anfang an selbstbewusst, pariert alle Angriffe und meldete gleichzeitig Ansprüche auf den Hip-Hop-Thron an, als gälte es, Westeros zu regieren.

Auf «Gummo» liess er Stücke von ähnlicher gepflegter Nervosität wie «Kooda», «Billy» und «Keke» und schliesslich sein Debütalbum «Day 69: Graduation Day» folgen. Es stieg auf Platz 4 der Billboard-Charts ein und hat bereits Goldstatus. Seine Texte bleiben bei all der erfrischenden Attitüde irritierend irrelevant. Sein Battlerap lebt allein von der Stimme und der scharfen Form der Überlieferung.

So — 21:00 Uhr Q Zurich Förrlibuckstr. 151 www.q-zurich.ch Eintritt 60 Franken

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