Das Street Girl

Die schottische Band «Texas» beackert seit über 20 Jahren die grossen Bühnen. Wie macht sie das? Und wie geht die Sängerin mit ihrem Status als Lesbenikone um?

Texas-Sängerin Sharleen Spiteri mag die Verehrung weiblicher Fans.

Texas-Sängerin Sharleen Spiteri mag die Verehrung weiblicher Fans.

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Zum Interview in der Zürcher Helvti-Bar kam Sharleen Spiteri 1999 in einem abgewetzten Regenmantel, wie ihn sonst nur dreckige alte Männer tragen. Das überraschte, war die Sängerin, Gitarristin und Songwriterin der schottischen Rockband Texas doch damals schon so erfolgreich, dass sie sich längst nicht mehr im Brockenhaus einzukleiden brauchte.

Seltsam war dann zu sehen, wie Spiteri sich wenige Wochen später im Video zu ­Texas’ neuer Single «Summer Son» lasziv im mediterranen Sonnenschein räkelte. Diese forcierte Sexiness wollte gar nicht zur kecken Musikerin passen, die sich in der Helvti sachkundig darüber aufgeregt hatte, dass antike Gitarren immer öfter in den ­Zollfreilagern ignoranter Investoren verschwanden.

Strassennähe und Glamour? Bis zum Album «Careful What You Wish For» (2003) blieb die Texas-Sängerin hin- und hergerissen. Aber seit diesem grotesk erfolglosen Werk, mit dem die Band kurzzeitig die Bodenhaftung verlor, hatte sich die Tochter eines Seemanns und einer Schaufensterdekorateurin nie wieder so sexy gegeben. Stattdessen markiert sie wieder das kecke Knabenmädchen, das einfach zu den Jungs in der Band gehören will.

Vielleicht ist Spiteris leicht androgyne Haltung der Grund, warum sie als heterosexuelle Frau eine generationenübergreifende lesbische Fangemeinschaft um sich versammelt hat, die ihr an Konzerte nachreist. Mit dieser Verehrung weiss Spiteri gut umzugehen: «Wenn eine Frau mir nachsieht, ist das ein grosses Kompliment», sagte sie unlängst der britischen Presse, «wenn ein Mann das tut, ist das für mich nicht weiter erwähnenswert.»

Aber Sharleen Spiteri ist nicht nur eine Projektionsfläche, sie ist auch eine grosse Sängerin. Live wagt sie sich regelmässig an Ike & Tina Turners «River Deep, Mountain High» heran. Spiteri meistert diesen Blockbuster eines Songs. Vielleicht spielt sie den Welthit bei ihrem Auftritt in Zürich – aber dann bitte nicht im alten Regenmantel. Zuzutrauen wäre es ihr auf jeden Fall.

Sonntag, 19 Uhr, Volkshaus.

Erstellt: 19.11.2017, 08:19 Uhr

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