Der letzte Videoclip

Ein Baggermusikvideo machte sie bekannt. Nun haben Rio Wolta und Piet Baumgartner genug von Clips. Oder doch nicht?

Hat alle Zeit der Welt: Die Frau im Clip zu «Wir haben keine Zeit». Video: Rio Wolta/Piet Baumgartner


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Sechs Jahre arbeiteten die beiden zusammen. Doch nach dem Video zum Song «Through My Street», dem vielfach preisgekrönten Clip mit den sich küssenden und umschmeichelnden Baggern, da sagten sie sich: «Jetzt ist eigentlich mal gut.» Rio Wolta und Piet Baumgartner, der Zürcher Musiker und der Berner Regisseur, suchten nach neuen Formaten: Letzten Herbst stellten sie in der Gessnerallee die raumfüllende Arbeit «Maschinen» vor, was sich als Art begehbares Musikvideo herausstellte.

Nun gehen sie einen nächsten Schritt und ziehen für ihr neues Projekt «Wir haben keine Zeit» in die Photobastei: «Wir haben hier die Möglichkeit, mehrere Ausstellungsräume gleichzeitig zu bespielen», sagt Rio Wolta. Die Besucher können kommen und gehen, wann sie wollen, «reinliegen» in die Bilder und die Musik, die Wolta und Baumgartner – gemeinsam mit Sängerinnen, Musikern sowie Ágota Dimén, die derzeit den Sidekick in der Late-Night-Show «Deville» gibt – entwickeln. Es soll auch performativ werden, so jedenfalls der Plan; beispielsweise in dem Raum, in dem Rio Wolta mithilfe einer Dolmetscherin bekannte Popsongs auf Japanisch singen wird. Wiederholen? Soll sich in den zweieinhalb Stunden wenn möglich nichts.

Sprengen den Videoclip: Rio Wolta und Piet Baumgartner. Foto: Stefan Tschumi

Wie dies alles gelingen könnte, lässt ausgerechnet die Kunstform erahnen, die sie mit «Wir haben keine Zeit» überwinden möchten: Als Teaser auf die Abende in der Photobastei hat Piet Baumgartner zu Rio Woltas Song «Old Movie» einen Clip montiert, der am Genfer Autosalon gedreht wurde. Man sieht eine Hostesse am Stand einer Autofirma, wie sie sich inmitten den glänzenden Warenwelten scheinbar unbeobachtet wähnt. Intime Momente inmitten des Messetumults, während auf der Tonspur neben der repetitiven, sich langsam entfaltenden Musik eine CNN-Diskussion über Feminismus und Videogames eine gewisse Nervosität und Unruhe verbreitet. Und man spürt: Diese Frau hat eigentlich alle Zeit der Welt. Denn hektisch, das sind nur die andern und der Newsbalken, durch den die Daten der Performance jagen.

«Wir haben keine Zeit» mit Ágota Dimén, Fabian Eichin, Lucy Novotny, Angela Weber, Barbara Tschalär, Mizuki Mazbara, Rio Wolta, Piet Baumgartner: 22. bis 24.6. sowie 29. bis 30.6., jeweils von 19:30 bis 22 Uhr, Photobastei, Zürich (Zueritipp)

Erstellt: 06.06.2017, 11:33 Uhr

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